Hurrikan „Melissa“ zieht über Jamaika, Kuba und Haiti: viele Tote und schwere Schäden
Hurrikan Melissa hat sich als eine der verheerendsten Naturkatastrophen des Jahres 2025 in der Karibik entpuppt und hinterlässt eine umfangreiche Spur der Verwüstung mit mindestens 49 bis 50 Todesfällen und katastrophalen Schäden an Infrastruktur, Wohnungen und Wirtschaft in mehreren Karibikinselstaaten.
Entstehung und Entwicklung des Hurrikans
Das National Hurricane Center begann am 16. Oktober mit der Beobachtung einer tropischen Welle, die nach Westen in Richtung Karibik zog. Am 21. Oktober um den frühen Morgen bildete sich ein klar definiertes Zentrum mit hochreichender Konvektion, woraus der Tropensturm Melissa hervorging. Zunächst bewegte sich Melissa nur langsam in west-nordwestliche Richtung über die sehr warmen Gewässer der zentralen Karibik, da eine schwache Strömung herrschte und die Westwindscherung die Verstärkung des Sturms begrenzte. Ab dem 23. Oktober nahm die Windscherung jedoch ab, was zu einer zunehmenden Verstärkung des Sturms führte. Am 24. Oktober um 21:00 UTC wurden bereits Windgeschwindigkeiten von bis zu 105 km/h erreicht.
Am 25. Oktober um 09:00 UTC befand sich Melissa etwa 270 km südöstlich von Kingston, Jamaika, und wurde zunächst von einem Tropischen Sturm zu einem Hurrikan der Kategorie 1 hochgestuft. Im Laufe des Tages erreichte der Hurrikan die Kategorie 3, und über den sehr warmen Gewässern der Karibik verstärkte sich Melissa bis am Montagmorgen weiter zu einem Hurrikan der Kategorie 5, der höchsten Stufe.
Sturmintensität und Windgeschwindigkeiten
Melissa war tatsächlich ein Jahrhundert-Hurrikan: Der Sturm traf Jamaika als Kategorie-5-Hurrikan mit extremen anhaltenden Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 bis 300 km/h (etwa 185 mph) auf. Dies war das erste Mal seit Hurrikan Dorian im Jahr 2019, dass ein atlantischer Sturm als Kategorie 5 auf Land traf. Der Weltmeteorologie-Verband warnte in seltener und eindringlicher Sprache vor „totaler Strukturzerstörung” entlang der Sturmbahnzentrale und dass es bei Jamaika um Leben und Tod ginge. Das US-Hurrikanzentrum beschrieb die erwarteten Auswirkungen als „zerstörerische Winde, Sturmfluten und katastrophale Überschwemmungen”.
Die jamaikanische Wetterbehörde warnte, dass Melissa der stärkste Sturm sein könnte, den das Land seit Jahrzehnten erlebt habe. Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami warnte Stunden vor der Landung dramatisch: „Dies ist die letzte Chance, Ihr Leben zu schützen!” Der Sturm bewegte sich zudem nur sehr langsam über Jamaika, was bedeutete, dass mehrere Stunden lang extreme Bedingungen herrschten – eine Situation, die die Zerstörung verstärkte.
Auswirkungen auf Jamaika
Jamaika traf Hurrikan Melissa am Dienstag, dem 28. Oktober, als Kategorie-5-Sturm mit katastrophalen Folgen. Ministerpräsident Andrew Holness erklärte die Insel am 28. Oktober zum Katastrophengebiet und rief die Bevölkerung dringend dazu auf, zu Hause zu bleiben und den Anweisungen der Behörden zu folgen. Der Flughafen von Kingston wurde geschlossen und fast 900 Notunterkünfte eingerichtet.
Die Schäden auf Jamaika waren verheerend: Massive Sturzfluten walzten über die Insel, Flüsse traten über die Ufer und Straßen wurden unterspült. Behörden warnten sogar vor angeschwemmten Krokodilen in den überfluteten Gebieten. Jamaikas stellvertretender Leiter des Katastrophenschutzes, McKenzie, berichtete, dass Melissa schwere Schäden in Teilen von Clarendon im Süden der Insel und in der südwestlichen Gemeinde St. Elizabeth verursacht habe.
Nach offiziellen Angaben der jamaikanischen Bildungs- und Informationsministerin Dana Morris Dixon kamen mindestens 19 Menschen in Jamaika ums Leben. Stunned residents wanderten mit leeren Blicken durch die Trümmer ihrer Heimat, manche starrten auf ihre dachlosen Häuser und wasserdurchtränkte Habseligkeiten, die um sie herum verstreut waren.
Die Stromversorgung war massiv beeinträchtigt: Mehr als 530.000 Haushalte wurden von der Stromversorgung abgeschnitten, und ein großflächiger Blackout erschwerte die Kommunikation erheblich. Das Kommunikationsnetz war stark gestört, was die Koordination von Rettungsbemühungen und die Informationsbeschaffung immens erschwerte. Nach Angaben der Behörden wurden Krankenhäuser, Brücken und andere kritische Infrastruktur beschädigt. Die Regierung hoffte, bald alle Flughäfen wieder öffnen zu können, um eine schnelle Verteilung von Hilfsgütern zu gewährleisten.
Auswirkungen auf Kuba
Nach Jamaika erreichte Melissa Kuba, hatte sich aber bereits leicht abgeschwächt und wurde auf die Stärke 3 von 5 herabgestuft, bevor es am Dienstagabend, dem 28. Oktober, auf den Südosten Kubas traf. Der Wirbelsturm traf Kuban mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde im Südosten auf Land. Das US-Hurrikanzentrum warnte dennoch vor heftigen Niederschlägen auf Kuba und warnte die Behörden vor Erdrutschen in den betroffenen Gebieten rund um die zweitgrößte Stadt Santiago de Cuba.
Kubanische Behörden ergreifen massive Evakuierungsmaßnahmen: Mehr als 735.000 Menschen, darunter auch aus Santiago de Cuba, einer der größten Städte der Insel, wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Für mehrere Provinzen, darunter Granma, Santiago de Cuba, Guantánamo und Holguín, galt eine Hurrikanwarnung, während für Las Tunas eine Tropensturmwarnung ausgegeben wurde. An Kubas Küste wurden Sturmfluten und starke Regenfälle erwartet.
Kuba litt bereits unter einer schweren Wirtschaftskrise, was die Folgen des Hurrikans zusätzlich verschärfte. Trotz der diplomatischen Spannungen zwischen den USA und Kuba machte die U.S. State Department in einer ungewöhnlichen Erklärung deutlich, dass die Vereinigten Staaten „bereit sind, dem kubanischen Volk zu helfen” und dass die USA „bereit sind, sofortige humanitäre Hilfe direkt und durch lokale Partner bereitzustellen, die sie wirksamer an diejenigen liefern können, die sie benötigen”. Allerdings wurde nicht spezifiziert, wie die Zusammenarbeit koordiniert werden würde oder ob Kontakt mit der kubanischen Regierung aufgenommen worden war.
Auswirkungen auf Haiti
Obwohl Haiti nicht direkt von Melissa getroffen wurde, erlitt das Land tagelang sintflutartige Regenfälle, die katastrophale Überschwemmungen verursachten. Haiti meldete mindestens 30 bestätigte Todesfälle mit weiteren 20 vermissten Personen, überwiegend in der südlichen Region des Landes. Die südhaitian Kleinstadt Petit-Goâve war besonders hart getroffen mit mindestens 20 bis 23 Opfern, darunter tragischerweise 10 Kinder, die bei einem Flusshochwasser ums Leben kamen.
Haiti’s Civil Protection Agency berichtete detailliert über die Zerstörungen in Petit-Goâve: Mehr als 160 Häuser wurden beschädigt und 80 weitere völlig zerstört. Das Ausmaß der persönlichen Tragödien war erschütternd – Steven Guadard berichtete, dass Melissa seine gesamte Familie in Petit-Goâve tötete, darunter vier Kinder im Alter von 1 Monat bis 8 Jahren. Etwa 15.000 Menschen verharrten nach der Katastrophe noch in Notunterkünften.
Laurent Saint-Cyr, Präsident von Haitis Übergangspräsidialrat, charakterisierte die Situation: „Es ist ein trauriger Moment für das Land.” Er sagte, dass Beamte damit rechnen, dass die Todesopferzahl weiter steigen wird, und vermerkte, dass die Regierung Ressourcen mobilisierte, um nach Menschen zu suchen und Nothilfe bereitzustellen.
Wirtschaftliche und infrastrukturelle Schäden
Die geschätzten wirtschaftlichen Schäden und Verluste in der westlichen Karibik liegen zwischen 67 bis 72 Milliarden Dollar, was Melissa zu einem wirtschaftlich katastrophalen Sturm macht. In Jamaika wurden Hunderttausende von der Stromversorgung abgeschnitten, zahllose Häuser wurden ihrer Dächer beraubt, und ganze Stadtteile wurden von Überschwemmungen und Erdrutschen überflutet. Die kritische Infrastruktur wie das Stromnetz, Krankenhäuser, Schulen und Brücken erlitt erhebliche Beschädigungen. Bilder aus sozialen Medien zeigten zertrümmerte Häuser in überschwemmten Straßenzügen und verheerenden Schäden, die Jamaikern jahrelang nachfolgen werden.
Klimawandel als verstärkender Faktor
Experten und Klimawissenschaftler weisen eindringlich darauf hin, dass der Klimawandel eine Rolle bei Melissas extremer Intensität spielte. Das Meerwasser in der Karibik war etwa 2,5 Grad Fahrenheit über dem historischen Durchschnitt, was zur rasanten Intensivierung des Hurrikans beitrug. Während der kritischen Phase durchlief Melissa zwei Phasen der schnellen Intensivierung, während derer ihre maximalen Windgeschwindigkeiten innerhalb von 24 Stunden von 70 mph auf 140 mph anstiegen und sich weiter verstärkten.
Klimaexperten merken an, dass der Klimawandel zwar wahrscheinlich nicht für mehr Tropenstürme sorgt, wenn Stürme jedoch auftreten, macht er sie zerstörerischer. Melissa wird vor allem durch die gestiegenen Ozeantemperaturen angetrieben – erhöhte Temperatur- und Druckunterschiede im Inneren des Sturms erhöhen Windgeschwindigkeit und Feuchtigkeit des Hurrikans erheblich.
Weiterer Verlauf des Sturms
Nach Jamaika und Kuba zog Melissa weiter nordöstlich ab und steuerte auf die Bahamas zu. Für den Südosten und die Mitte der Bahamas galt eine Hurrikanwarnung, während für die Turks- und Caicosinseln eine Tropensturmwarnung herausgegeben wurde. Laut dem US-Hurrikanzentrum sollte der Sturm anhaltende Windgeschwindigkeiten von bis zu 165 Kilometern pro Stunde erreichen und die Inselgruppe Bermuda im Nordatlantik ansteuern. Die Regierung der Bahamas ordnete Evakuierungen für sechs der mehr als 700 Inseln an. Am späten Mittwochabend sollte Melissa den Südosten der Bahamas erreichen.
