4 Smart Energy & Farming Quartiere in Liesing Mitte
Liesing Mitte in Wien ist ein Leuchtturmprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung. Als Modellquartier verbindet es innovative Energielösungen mit urbaner Landwirtschaft, um bis 2050 klimaneutral zu werden. Mit rund 700 Hektar – größer als die Wiener Innenstadt – zeigt dieses „Living Lab“, wie Städte der Zukunft aussehen können: energieeffizient, sozial gerecht und grün. Dieser Artikel taucht tief in die vier Kernbereiche ein, die Liesing Mitte zum europäischen Vorzeigeprojekt machen.
1. Energieeffiziente Neubauten und Sanierungen
Hier setzt Liesing auf revolutionäre Gebäudetechnologien. Im Fokus stehen „Plus-Energie-Häuser“, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen – ermöglicht durch:
- Smart Grids: Intelligente Stromnetze, die Überschüsse aus Solaranlagen speichern und verteilen.
- Wärmedämmung 2.0: Renovierungen mit Recyclingmaterialien, die den Energieverbrauch um 40% senken.
- Soziale Teilhabe: Bezahlbare Mieten auch für einkommensschwache Haushalte durch öffentliche Förderung.
Beispielprojekte im Überblick:
| Gebäudetyp | Innovationen | CO₂-Einsparung (jährlich) |
| Sozialwohnungen | Fassaden-Photovoltaik + Gründächer | 8,5 Tonnen pro Gebäude |
| Gewerbebauten | Abwärmenutzung aus Produktion | 12 Tonnen pro Betrieb |
| Bildungszentren | Geothermische Heizung/Kühlung | 15 Tonnen pro Campus |
Diese Maßnahmen sind Teil von über 100 Einzelprojekten, die den Energie- und Ressourcenverbrauch um Faktor 10 reduzieren sollen.
2. Intelligente Netze und erneuerbare Energien
Das Rückgrat des Quartiers bildet ein dezentrales Energiesystem:
- Blockchain-gesteuerte Microgrids: Automatisierte Steuerung von 300+ Energieerzeugern (Solar, Wind, Biogas) – transparent und fälschungssicher.
- E-Logistik „On-Demand“: Elektro-Lieferverkehr mit optimierten Routen spart 120 Tonnen CO₂/Jahr.
- Sektorkopplung: Überschüssiger Ökostrom wird in Wärme (Power-to-Heat) oder Wasserstoff umgewandelt.
Daten zur Energieautarkie:
- Aktuell: 45% des Stroms aus erneuerbaren Quellen
- Ziel 2030: 80% durch Ausbau von Agri-PV (Solarpanels über Urban-Farming-Flächen)
- Ziel 2050: 100% erneuerbare Energie bei 90% geringerem Rohstoffeinsatz
3. Urban Farming und nachhaltige Ernährung
Urbane Landwirtschaft ist hier kein Trend, sondern System:
- Subventionierte „Garteln Hoch 3“-Projekte: Dach- und Vertikalfarmen in Sozialbauten liefern 30% des Gemüsebedarfs vor Ort.
- Aquaponik-Anlagen: Kombination aus Fischzucht und Gemüseanbau spart 90% Wasser gegenüber konventioneller Landwirtschaft.
- Bildungsprogramme: Workshops zur Lebensmittelwertschätzung reduzieren Food Waste um 25%.
Nachhaltigkeitsbilanz urbaner Farmen:
| Faktor | Kollektivgärten | Industrielle Landwirtschaft |
| CO₂-Fußabdruck (pro kg Gemüse) | 0,8 kg | 2,3 kg |
| Wasserbedarf | 15 Liter | 50 Liter |
| Transportwege | <1 km | 150 km |
Wichtig: Nur bei mindestens 10 Jahren Nutzungsdauer ist die Ökobilanz positiv – Infrastruktur-Langlebigkeit ist entscheidend.
4. Internationale Zusammenarbeit und lebendiges Labor
Liesing Mitte ist Teil eines europäischen Netzwerks:
- Konsortium mit Kopenhagen, Hamburg, Amsterdam und Lyon: Austausch von Best Practices zur Klimaresilienz.
- Forschungskooperationen: Mit der TU Wien werden IoT-Sensoren entwickelt, die Bodenfeuchte und Energieverbrauch in Echtzeit messen.
- Open Data für Bürger:innen: Der „Smart Citizen Assistant“ zeigt Energieverbrauch und Ernteerträge transparent auf Smartphones.
Lessons learned für andere Städte:
- Sozialverträglichkeit: 40% der Urban-Farming-Flächen sind für einkommensschwache Gruppen reserviert.
- Kreislaufwirtschaft: Kompost aus Grünabfällen deckt 100% des Düngerbedarfs.
- Akzeptanzsteigerung: Bürgerbeteiligung an Planungsprozessen senkt Konflikte um 70%.
Fazit: Blaupause für die Stadt der Zukunft
Liesing Mitte beweist, dass Smart Cities mehr sind als Technologie: Sie verbinden ökologische Ziele (Zero Emission bis 2050) mit sozialer Gerechtigkeit und Lebensqualität. Mit über 100 umgesetzten Maßnahmen – von Agri-PV bis Gemeinschaftsgärten – schafft das Quartier eine echte Kreislaufwirtschaft. Entscheidend ist der Dreiklang aus:
- Langfristiger Infrastrukturplanung (Mindestnutzungsdauer 10 Jahre)
- Bürgernähe durch transparente Daten und Teilhabe
- Internationalem Wissenstransfer
Dieses Modell macht Wien zum globalen Vorreiter – und zeigt, wie Städte weltweit den Spagat zwischen Klimaschutz und bezahlbarem Wohnen meistern können
