Der deutsche Politiker Wadephul äußert sich optimistisch hinsichtlich des Friedens im Nahen Osten.
Der Aufruf eines führenden CDU-Politikers zu einem „politischen Horizont“ stellt die auf Krisenbewältigung fokussierte Strategie der Scholz-Regierung in Frage und verdeutlicht eine wachsende Kluft in Berlins Umgang mit dem Nahostkonflikt.
Zentrale Fakten & Überblick
Die Aussage: Johann Wadephul, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, äußerte Ende Oktober 2025 „verhaltenen Optimismus“ in Bezug auf einen neuen Nahost-Friedensprozess. Er verwies auf neue diplomatische Aktivitäten der USA, Saudi-Arabiens und Katars.
Die Herausforderung: Seine Äußerungen sind eine direkte Kritik an der „Ampel“-Koalition, der er vorwarf, zu „passiv“ zu sein und sich ausschließlich auf humanitäre Hilfe sowie Krisenmanagement zu konzentrieren.
Der Kontrast: Wadephuls „Optimismus“ steht im scharfen Gegensatz zu den düsteren Einschätzungen von Außenministerin Annalena Baerbock, die jüngst neue Hilfen mit Hinweis auf eine „katastrophale“ humanitäre Lage ankündigte.
Die Daten: Die diplomatische Divergenz tritt auf, während die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen 42.000 übersteigt und 1,9 Millionen Menschen vertrieben wurden
Deutschlands Rolle: Deutschland hat seit dem 7. Oktober 2023 über 850 Millionen € Militärhilfe an Israel sowie 350 Millionen € humanitäre Hilfe für palästinensische Gebiete bereitgestellt
BERLIN — Ein „Schimmer der Hoffnung“ in dunklen Zeiten
Inmitten der anhaltenden diplomatischen Trostlosigkeit rund um den Nahostkonflikt hat der CDU-Politiker Johann Wadephul neuen, vorsichtigen Optimismus geäußert. Bei einem außenpolitischen Forum in Berlin sprach der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende von einem erneuten „Hintergrunddialog“ zwischen den USA, Saudi-Arabien und anderen regionalen Akteuren, der einen „Schimmer der Hoffnung“ eröffne — eine Chance, die Deutschland und die EU aktiv unterstützen müssten.
Diese Erklärung ist mehr als bloße Rhetorik. Sie stellt eine politische Herausforderung für Bundeskanzler Olaf Scholz dar. Wadephul nutzt seine Rolle als außenpolitischer Sprecher der Opposition, um der Regierung vorzuwerfen, reaktiv zu handeln und einen „tragfähigen politischen Horizont“ vermissen zu lassen.
„Optimismus ist Voraussetzung politischen Handelns“
Wadephul betonte bei einer Veranstaltung der Körber-Stiftung und in späteren Interviews Ende Oktober 2025, dass die Politik sich nicht mit der Verwaltung des Elends begnügen dürfe.
„Optimismus ist eine Voraussetzung politischen Handelns. Wir dürfen das Elend nicht nur verwalten“, so Wadephul laut Reuters (31. Oktober 2025). „Nur über humanitäre Pausen und Hilfe zu sprechen, ist keine Strategie. Eine Strategie braucht ein politisches Ziel — eine sichere Zukunft für Israelis und Palästinenser.“
Sein Optimismus beruht weniger auf Entwicklungen vor Ort als auf diplomatischer Bewegung: neuen Impulsen aus Washington und Saudis weiterem Interesse an einer Normalisierung mit Israel. „Die Alternative wäre ein ewiger Konflikt“, warnte er
Damit positioniert Wadephul die CDU als Befürworterin einer aktiveren deutschen Außenpolitik – nicht nur als Geldgeberin humanitärer Projekte, sondern als diplomatische Mitgestalterin.
Deutschlands schwieriger Balanceakt
Wadephuls Kommentare fallen in eine Phase, in der die deutsche Nahostpolitik zwischen zwei Grundsäulen balanciert.
Staatsräson und Zeitenwende:
Deutschlands historische Verpflichtung zur Sicherheit Israels, die sogenannte Staatsräson, wurde von Kanzler Scholz nach den Hamas-Angriffen im Oktober 2023 bekräftigt. Parallel dazu verfolgt seine Regierung die Zeitenwende-Doktrin, ein sicherheitspolitischer Kurswechsel nach dem Ukrainekrieg.
Doch Kritiker wie Wadephul sehen die Zeitenwende in der Nahostpolitik bislang nicht eingelöst: Deutschland sei dort zwar humanitär aktiv, aber politisch richtungslos.
Ampelregierung: Fokus auf Krisenbewältigung
Die Ampel-Koalition setzt in ihrer Kommunikation zunehmend auf realistische, humanitäre Töne. Außenministerin Baerbock kündigte am 1. November 2025 weitere 50 Millionen € humanitäre Hilfe für Gaza an:
„Die katastrophale humanitäre Situation verschärft sich weiter… Wir tun alles, um den Menschen zu helfen, die nichts mehr haben“, erklärte sie (Auswärtiges Amt, 1. November 2025).
Während die Regierung das akute Leid bekämpft, fordert die Opposition eine langfristige Vision – nicht nur Schadensbegrenzung, sondern Zukunftsgestaltung.
Die Zahlen des Konflikts
Menschliche Verluste (Stand: 1. November 2025):
-
Über 42.000 Tote im Gazastreifen seit dem 7. Oktober 2023
-
Rund 1,9 Millionen Vertriebene, etwa 85 % der Bevölkerung Gazas
Deutschlands finanzielle Doppelstrategie:
Laut Kiel Institut für Weltwirtschaft flossen:
-
ca. 850 Mio. € Militärhilfe an Israel (2023–2025)
-
350 Mio. € humanitäre Hilfe an die Palästinensischen Gebiete
Darunter die jüngsten 50 Mio. € vom November 2025.
Diplomatische Lähmung:
Bei einer UN-Resolution für eine sofortige, dauerhafte Waffenruhe enthielt sich Deutschland der Stimme – ein Symbol für die schwierige Gratwanderung zwischen Verbündeten und moralischer Verantwortung.
Experteneinschätzung: Politik oder psychologische Strategie?
Laut Dr. Anna Schmidt (Brookings Institution) ist Wadephuls Initiative strategisch motiviert:
„Sein Optimismus ist Teil einer politischen Positionierung. Die CDU versucht, Scholz’ Nahostpolitik als reaktiv darzustellen und zwingt ihn, eine langfristige Vision vorzulegen. Damit stellt sie die Frage: Was ist Deutschlands Plan für den ‘Tag danach’?“
Die CDU sucht also bewusst die staatstragende Rolle – als Stimme, die über die Krise hinausdenkt.
Stimmen aus der Region
„Wir hören in Berlin viel von Optimismus und Horizonte, aber hier sehen wir nur neue Checkpoints und Angst um unsere Familien in Gaza“, sagte Ahmed, ein Ladenbesitzer aus Ramallah (BBC-Bericht, 29. Oktober 2025).
Die israelische Regierung kommentierte Wadephuls Aussage bisher nicht. Die Palästinensische Autonomiebehörde begrüßte zwar Forderungen nach einem „politischen Horizont“, bleibt aber skeptisch angesichts der fortdauernden Not und Siedlungspolitik.
