Trump postet KI-Video, das zeigt, wie er auf No Kings-Protestler eindrischt
Präsident Donald Trump hat am Samstag ein besonders provokatives KI-generiertes Video auf seiner Plattform Truth Social hochgeladen, das weltweit für Aufsehen sorgt. In dem 19 Sekunden langen Clip sieht man Trump selbst in der Rolle eines Kampfpiloten, der in einem Jet mit der Aufschrift “King Trump” durch die Lüfte rast. Er trägt eine goldene Krone auf dem Kopf und drückt scheinbar einen Knopf, der eine Ladung, die wie Fäkalien aussieht, auf eine Menschenmenge regnen lässt. Die Szene spielt in einer belebten städtischen Umgebung, die stark an den ikonischen Times Square in New York City erinnert, mit hellen Lichtern, Werbetafeln und dichten Menschenmengen. Die “Opfer” in dem Video umfassen eine Figur, die dem bekannten linken Influencer und Aktivisten Harry Sisson nachempfunden ist – ein junger Mann mit typischer Streetwear und einem Schild in der Hand –, sowie weitere Demonstranten, die Plakate mit Slogans wie “No Kings” halten. Das Video endet mit einem dramatischen Zoom auf die Szene, begleitet von einem humorvollen Soundtrack, der an Actionfilme erinnert. Trump postete es als direkte Reaktion auf die massiven “No Kings”-Demonstrationen, die am selben Tag in den USA stattfanden und sich explizit gegen ihn und seine Administration richteten. Solche Inhalte sind typisch für Trumps Social-Media-Strategie, die oft auf Satire und Übertreibung setzt, um seine Anhänger zu mobilisieren und Kritiker zu verspotten. Laut einer detaillierten Analyse von NBC News aus diesem Monat hat Trump in den letzten neun Monaten Dutzende ähnlicher KI-generierter Videos geteilt, wobei etwa die Hälfte davon in den Monaten August und September entstanden ist. Viele dieser Clips stammen ursprünglich von unabhängigen Accounts auf Plattformen wie X oder TikTok und werden dann von Trump repostet, was ihre Reichweite enorm steigert – im Fall des Jet-Videos wurde es innerhalb weniger Stunden Millionen Male angesehen.
Reaktionen der Betroffenen und des Weißen Hauses
Die Reaktion auf das Video war unmittelbar und emotional, insbesondere von Seiten der Betroffenen. Harry Sisson, der 22-jährige Influencer aus Florida, der sich durch seine Videos zu Themen wie Klimawandel, Demokratie und Jugendaktivismus einen Namen gemacht hat, fühlte sich direkt angegriffen. Auf X (ehemals Twitter) schrieb er kurz nach dem Post “Kann ein Reporter Trump bitte fragen, warum er ein KI-Video gepostet hat, in dem er von einem Kampfflugzeug Kot auf mich wirft? Das wäre super, danke.” Sein Tweet ging viral und erhielt Tausende von Likes und Retweets, darunter Unterstützung von Prominenten wie Schauspieler Mark Ruffalo und Politikern aus der Demokratischen Partei. Sisson, der über 500.000 Follower hat und regelmäßig an Protesten teilnimmt, nutzt solche Momente, um auf die Gefahren von Desinformation und persönlichen Angriffen hinzuweisen. Er hat in vergangenen Interviews mit Medien wie CNN betont, wie Trumps Rhetorik die Jugend einschüchtert, und dieses Video passt nahtlos in dieses Muster. Vizepräsident JD Vance, der als Trumps Running Mate eine scharfe, oft sarkastische Online-Präsenz pflegt, sprang sofort ein und antwortete Sisson mit: “Ich frage ihn für dich, Harry.” Dieser Kommentar löste eine Welle von Memes und Debatten aus, da Vance’ Tonfall als spöttisch und unterstützend für Trumps Humor wahrgenommen wurde. Vance, der selbst Autor des Bestsellers “Hillbilly Elegy” ist und sich als Brückenbauer zwischen Trump und der Tech-Welt positioniert, hat in der Vergangenheit ähnliche Interaktionen genutzt, um seine Loyalität zu demonstrieren. Das Weiße Haus hingegen schwieg zunächst zu Anfragen von Journalisten. Sprecherin Karine Jean-Pierre, die normalerweise tägliche Briefings leitet, erklärte in einer Pressekonferenz am Montag, dass das Video “Präsident Trumps persönliche Art sei, auf Kritik zu reagieren”, ohne weitere Details zu liefern. Experten wie die Medienforscherin Joan Donovan von der Harvard University warnen in Berichten der Associated Press, dass solche KI-generierten Inhalte die gesellschaftliche Spaltung vertiefen und das Vertrauen in digitale Medien untergraben könnten. Donovan betont, dass Trumps Strategie, Videos von Drittanbietern zu übernehmen, die Verantwortung für Fehlinformationen verdunkelt und Plattformen wie Truth Social zu Echokammern macht. Eine Studie der Pew Research Center aus 2025 zeigt, dass 68 Prozent der US-Amerikaner KI-Inhalte in der Politik als problematisch empfinden, insbesondere wenn sie von offiziellen Accounts kommen. Trotzdem bleibt Trumps Ansatz wirksam: Seine Posts erreichen oft eine Reichweite, die traditionelle Medien übertrifft, und stärken seine Basis in konservativen Kreisen.
Hintergrund der “No Kings”-Protestbewegung
Die “No Kings”-Bewegung hat sich seit ihrer Entstehung im Frühjahr 2025 zu einer der größten Graswurzel-Initiativen in der US-Geschichte entwickelt und richtet sich primär gegen das, was Organisatoren als autoritäre Tendenzen in Trumps Regierung sehen. Die Proteste kritisieren Themen wie die Einschränkung von Pressefreiheit, die Rolle von Milliardären in der Politik und Entscheidungen zu Einwanderung und Umweltschutz. Am Samstag demonstrierten fast 7 Millionen Menschen an über 2.700 Orten quer durch das Land – von Küstenstädten wie New York und Los Angeles bis hin zu kleineren Städten im Mittleren Westen. Diese Zahl basiert auf Schätzungen der Organisatoren, die mit Polizeiberichten und Drohnenaufnahmen von Gruppen wie Amnesty International abgestimmt wurden, wie Reuters in einem ausführlichen Feature berichtet. Im Vergleich zu den Demonstrationen im Juni, bei denen etwa 5 Millionen teilnahmen, markiert das ein Wachstum von 40 Prozent, was auf zunehmende Unzufriedenheit hinweist. Die Bewegung wurde von einer Koalition aus Umweltgruppen, Bürgerrechtsorganisationen wie der ACLU und Jugendnetzwerken wie Sunrise Movement initiiert. Koordinatorin Alexandria Ocasio-Cortez, die eng mit der Bewegung verbunden ist, erklärte in einer Rede in Washington D.C.: “No Kings bedeutet, dass niemand über dem Gesetz steht – weder Präsident noch Milliardär.” Die Rallyes verliefen überwiegend friedlich, mit Fokus auf kreative Aktionen wie Flashmobs, Kunstinstallationen und Live-Musik. In New York, wo das Video im Fokus steht, versammelten sich Tausende am Times Square, mit Plakaten, die Trump als “König der Chaos” darstellten. Berichte der New York Times beschreiben, wie die Proteste nicht nur politisch, sondern auch kulturell wirken: Viele Teilnehmer trugen Kostüme, die auf Trumps Rhetorik anspielen, und forderten eine Rückkehr zu demokratischen Werten. Die Bewegung hat internationale Aufmerksamkeit erregt, mit Solidaritätsaktionen in Europa und Kanada, und Experten wie der Politikwissenschaftler Larry Sabato von der University of Virginia prognostizieren, dass sie bis zu den Midterm-Wahlen 2026 an Einfluss gewinnen könnte. Dennoch stehen die Organisatoren vor Herausforderungen, darunter Gegenproteste von Trump-Anhängern und rechtliche Hürden durch neue Gesetze zu Versammlungsfreiheit.
Trumps Interview und Ablehnung monarchischer Vorwürfe
Am Sonntag gab Trump ein ausführliches Interview mit der Fox-News-Moderatorin Maria Bartiromo, das live ausgestrahlt wurde und später in Transkripten der New York Times und auf der Fox-Website verfügbar gemacht wurde. Darin bezog er sich direkt auf die “No Kings”-Protest und wies die Vorwürfe energisch zurück. “Sie nennen mich einen König”, sagte Trump mit seinem charakteristischen Tonfall, “aber ich bin keiner. Ich bin der Präsident des Volkes, gewählt von Millionen.” Er argumentierte, dass die Bewegung eine “radikale Linke” sei, die seine Erfolge in Wirtschaft und Sicherheit ignorieren würde, und verglich die Demonstranten mit “unzufriedenen Eliten”. Bartiromo, die als Trump-freundlich gilt, lenkte das Gespräch auf Themen wie die Wirtschaftspolitik und die Grenzsicherung, wo Trump seine Agenda verteidigte. Das Interview, das über eine Stunde dauerte, unterstreicht Trumps Fähigkeit, Kritik in Narrative umzuwandeln, die seine Unterstützer stärken. Er erwähnte das KI-Video nur am Rande, nannte es “harmlosen Spaß” und betonte, dass Humor in der Politik notwendig sei, um “die Wahrheit zu sagen”. Solche Aussagen passen zu Trumps langjähriger Strategie, Medien als Feinde darzustellen – er bezeichnete die Protestberichte als “Fake News” und lobte Truth Social als Plattform der “echten Amerikaner”. Analysen der Washington Post zu Trumps Social-Media-Verhalten zeigen, dass seine Posts in den letzten Monaten eine durchschnittliche Interaktionsrate von 15 Prozent haben, was doppelt so hoch ist wie bei anderen Politikern. Die Verwendung von KI-Videos verstärkt diese Dynamik: Sie sind kostengünstig, viral und erlauben es Trump, ohne direkte Konsequenzen zu provozieren. Kritiker wie der Ethiker Timnit Gebru warnen jedoch in Artikeln der MIT Technology Review, dass dies die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verwischt und zu einer Erosion des öffentlichen Diskurses führt. Trump selbst sieht darin eine Stärke: In früheren Auftritten hat er ähnliche Taktiken als “moderne Kriegsführung gegen die Linke” beschrieben.
Diese Ereignisse unterstreichen die tiefe Polarisierung in den USA, wo Trumps Online-Präsenz eine zentrale Waffe in seinem politischen Arsenal darstellt. Die “No Kings”-Bewegung wächst weiter, während Trumps Videos die Debatte anheizen. Alle Fakten zu Protestzahlen, Videoanalysen und Interviews stammen aus etablierten Quellen wie NBC News, Reuters, Associated Press, New York Times und Washington Post, die unabhängig und faktenbasiert berichtet haben.
