OpenAI startet den von ChatGPT betriebenen Browser Atlas, um Chrome und Perplexitys Comet herauszufordern
OpenAI hat kürzlich den neuen Browser Atlas vorgestellt, der mit der KI von ChatGPT arbeitet und direkt gegen etablierte Giganten wie Google Chrome sowie innovative Konkurrenten wie Perplexitys Comet antritt. Bisher hat das Unternehmen KI-Funktionen wie smarte Agenten hauptsächlich in die ChatGPT-App integriert, doch mit Atlas wird diese Technologie nun in ein vollwertiges, eigenständiges Produkt umgewandelt, das den Alltag im Internet grundlegend vereinfachen soll. Der Browser basiert auf der bewährten Chromium-Engine, die auch Chrome antreibt, und verspricht nicht nur hohe Geschwindigkeit und Flexibilität, sondern auch bahnbrechende Nutzererlebnisse, die über herkömmliches Surfen hinausgehen.
Dieser Launch stellt einen strategischen Schachzug für OpenAI dar, das nun erstmals in den hochkompetitiven Browser-Markt einsteigt, in dem Google mit Chrome seit Jahren über 60 Prozent des globalen Marktes dominiert. Ähnliche Entwicklungen sehen wir bei anderen Akteuren: Perplexity hat mit Comet einen kostenlosen AI-Browser lanciert, der sich auf schnelle Suchen und Kontextanalyse konzentriert, während The Browser Company mit Dia experimentelle Features einführt. Große Player wie Google und Microsoft reagieren, indem sie ihre Browser Chrome und Edge mit KI-Integrationen wie Gemini oder Copilot aufwerten. OpenAI-CEO Sam Altman unterstrich in einer Live-Präsentation am 20. Oktober 2025, dass KI alle zehn Jahre die Chance biete, das Konzept eines Browsers neu zu erfinden – Tabs seien ein Meilenstein gewesen, doch seitdem habe es wenig Innovation gegeben. Atlas ist weltweit für macOS-Nutzer verfügbar, erfordert einen Mac mit Apple-Silicon-Prozessor (M1 oder neuer) und macOS 12 Monterey oder höher, und OpenAI plant, Unterstützung für Windows, iOS und Android in den kommenden Monaten hinzuzufügen.
Der Browser ist kostenlos für alle ChatGPT-Nutzer zugänglich, einschließlich Free-, Plus-, Pro-, Go-, Business-, Enterprise- und Edu-Plänen, wobei er nahtlos mit dem OpenAI-Ökosystem verknüpft ist. Dies könnte OpenAI helfen, Nutzerdaten zu sammeln und seine KI-Modelle weiter zu verbessern, während es gleichzeitig einen faireren Wettbewerb zu Suchmaschinenriesen wie Google schafft. Experten sehen in Atlas einen potenziellen Game-Changer, der das Surfen von passivem Verbrauch zu interaktiver, KI-gestützter Zusammenarbeit verändert.
Die drei Kernfunktionen von Atlas
Atlas zeichnet sich durch drei zentrale Merkmale aus Chat, Memory und Agent. Diese Funktionen verwandeln den Browser in einen intelligenten, kontextbewussten Assistenten, der den gesamten Browsing-Kontext nutzt, ohne dass Nutzer mühsam zwischen Tabs oder Apps wechseln müssen. So kann ChatGPT in Echtzeit auf offene Webseiten reagieren, Inhalte analysieren und komplexe Aufgaben übernehmen, was den Workflow erheblich beschleunigt und effizienter macht als bei traditionellen Browsern. OpenAI betont, dass diese Integration den Browser zu einem natürlichen Erweiterung des ChatGPT-Erlebnisses macht, das auf Millionen von Nutzern basiert.
Die Funktionen bauen aufeinander auf und lernen kontinuierlich aus dem Nutzerverhalten, um personalisierte Vorschläge zu machen. Im Vergleich zu Konkurrenten wie Comet, das sich auf Suchoptimierung konzentriert, oder Chromes Gemini-Integration, die eher ergänzend wirkt, integriert Atlas KI tief in jede Interaktion, was zu einer flüssigeren und intuitiveren Bedienung führt.
Chat: ChatGPT überall im Browser
Die Chat-Funktion bringt ChatGPT direkt in den Browser und begleitet Nutzer auf jeder einzelnen Webseite, sodass man den Bot jederzeit rufen kann, um Aufgaben zu erledigen. Ein einfacher Klick auf den „Ask ChatGPT“-Button in der oberen rechten Ecke öffnet eine Sidebar, in der der Chatbot den Inhalt der aktuellen Seite analysiert, zusammenfasst oder hilft, ohne dass man Text kopieren oder Tabs wechseln muss. Praktische Beispiele umfassen das Entwerfen von E-Mails in Gmail, das Vergleichen von Produkten auf E-Commerce-Seiten, das Auswerten von Daten aus Tabellen auf Nachrichtenportalen oder das Zusammenfassen langer Artikel. Inline-Schreibhilfe erlaubt es, ChatGPT direkt in Eingabefeldern zu aktivieren – etwa um einen LinkedIn-Post zu formulieren oder Code in einem GitHub-Repository zu bearbeiten –, und der Bot behält den Kontext der Seite bei, um präzise Vorschläge zu machen.
Die neue Tab-Seite dient als zentraler Einstiegspunkt: Hier kann man natürliche Sprachfragen stellen oder URLs eingeben, und Atlas liefert sofortige Ergebnisse in einem ChatGPT-ähnlichen Format, ergänzt durch dedizierte Tabs für Web-Links, Bilder, Videos und News-Artikel. Statt herkömmlicher Suchmaschinen wie Google Search oder Bing als Standard zu verwenden, integriert Atlas die eigene ChatGPT-Suche, die konversationelle Anfragen versteht und kontextbezogene, detaillierte Antworten gibt – etwa mit Quellenangaben und visuellen Elementen. Wenn man nach Filmkritiken sucht, erscheint zuerst eine chatbot-ähnliche Zusammenfassung, gefolgt von sortierten Ergebnissen, was den Übergang zu traditionellem Suchen erleichtert. Diese Hybrid-Ansatz macht Atlas zugänglich für Einsteiger, während er Fortgeschrittene mit tieferer Analyse versorgt. OpenAI hat die Suche so gestaltet, dass sie unter der Haube teilweise auf Google basiert, um Zuverlässigkeit zu gewährleisten, ohne die KI-Kernstärke zu verlieren.
Zusätzlich bietet die Chat-Funktion Personalisierung durch den Zugriff auf den Chat-Verlauf Der Browser schlägt Themen vor, die zu früheren Suchen passen, und kann Routineaufgaben wie das Überwachen von Aktienkursen oder das Filtern von E-Mails automatisieren. In Tests von Nutzern und Tech-Medien wie TechCrunch und Wired hat sich gezeigt, dass diese Integration den Alltag spürbar beschleunigt, da sie den ständigen Kontextwechsel eliminiert, der bei anderen Browsern frustrierend ist.
Memory: Personalisierte Erinnerungen für besseres Surfen
Die Memory-Funktion erweitert ChatGPTs bestehende Speicherfähigkeit um den Browserverlauf und vergangene Gespräche, um eine hochgradig personalisierte Nutzererfahrung zu schaffen. So lernt Atlas aus dem Kontext, den man surft – sei es besuchte Shops, gelesene Artikel oder durchgeführte Suchen –, und wird mit der Zeit intelligenter, indem er Vorschläge macht, ob man zu alten Seiten zurückkehren, Themen vertiefen oder wiederkehrende Aufgaben automatisieren soll. Ein konkretes Beispiel Ein Nutzer könnte fragen „Finde alle Stellenanzeigen, die ich letzte Woche angeschaut habe, und erstelle eine detaillierte Zusammenfassung von Branchentrends, inklusive Gehaltsspannen und gefragter Skills, damit ich mich auf mein Vorstellungsgespräch vorbereiten kann.“ Atlas würde dann den Verlauf durchsuchen, relevante Inhalte extrahieren und eine maßgeschneiderte Analyse liefern, die auf persönlichen Interessen basiert.
Memory ist vollständig optional und datenschutzkonform In den Einstellungen können Nutzer es ein- oder ausschalten, gespeicherte Erinnerungen einsehen, archivieren oder dauerhaft löschen. Der Browserverlauf löscht automatisch damit verknüpfte Memories, und es gibt einen Inkognito-Modus, der gar nichts speichert – ideal für sensible Recherchen. Pro Webseite kann man entscheiden, ob ChatGPT den Inhalt sehen und speichern darf, um z. B. Bankseiten oder private Foren auszuschließen. Diese Kontrollen bauen auf ChatGPTs Memory-Feature aus April 2025 auf, das bereits Milliarden von Interaktionen verarbeitet hat, und erweitern es um browser-spezifische Daten wie Lesezeiten oder Markierungen.
Durch Memory personalisiert Atlas auch die Startseite Unter der zentralen Suchleiste erscheinen Vorschläge, die auf dem Verlauf basieren, wie „Möchtest du zu dem Rezept von letzter Woche zurückkehren und Zutaten vergleichen?“ oder „Hier sind Updates zu den Tech-News, die du verfolgst.“ Je öfter man Atlas nutzt, desto genauer werden diese Empfehlungen, was den Browser zu einem proaktiven Helfer macht. In Praxistests, wie sie von ZDNet und The Verge beschrieben werden, half Memory Nutzern, unfertige Projekte wie Google Docs oder Einkaufslisten wieder aufzunehmen, und reduzierte die Zeit für Routineaufgaben um bis zu 50 Prozent. Dennoch warnen Datenschützer, dass solche Speicherfunktionen sensible Daten bergen könnten, weshalb OpenAI transparente Löschoptionen und keine Weitergabe an Dritte verspricht.
Agent: Automatisierte Aktionen im Web
Der Agent-Modus ermöglicht es ChatGPT, komplexe Aufgaben autonom auf Webseiten zu übernehmen, ohne dass der Nutzer ständig eingreifen muss – von der Recherche für eine Urlaubsreise bis hin zur Planung von Events, Buchung von Terminen oder Einkäufen. Der Agent navigiert in offenen Tabs, analysiert Inhalte in Echtzeit und führt Aktionen aus, wie das Ausfüllen von Formularen, das Vergleichen von Angeboten oder das Senden von Anfragen. In einer Demo während der Launch-Präsentation wies OpenAI den Agent an, eine Einkaufsliste für ein Rezept anzupassen (z. B. für eine größere Gruppe), Preise auf Instacart zu prüfen und eine Bestellung vorzubereiten – immer mit einer Pausentaste vor dem finalen Schritt, um Missverständnisse zu vermeiden. Ein weiteres Beispiel: Der Agent könnte ein Team-Meeting in Slack organisieren, indem er Kalender prüft, Einladungen versendet und Follow-ups plant.
Der Modus ist derzeit in der Vorschau für Plus-, Pro- und Business-Nutzer verfügbar und kann über eine Schaltfläche in der Sidebar aktiviert werden, mit benutzerdefinierten Berechtigungen pro Tab. OpenAI-Mitarbeiter wie Engineering Lead Ben Goodger hoben in der Livestream-Session Sicherheitsaspekte hervor: „Trotz all der Power, die du mit dem Teilen deines Browsers mit ChatGPT bekommst, birgt das neue Risiken.“ Der Agent arbeitet ausschließlich in den geöffneten Tabs, führt keinen Code auf dem Computer aus, greift nicht auf Dateien, E-Mails oder andere Apps zu und unterliegt mehrstufigen Safeguards, wie z. B. Bestätigungsanfragen für sensible Aktionen. Nutzer können den Agent jederzeit stoppen, und er läuft im Hintergrund, solange man in anderen Tabs arbeitet, ohne den Fokus zu stören.
Im Vergleich zu früheren OpenAI-Tools wie dem Agent in ChatGPT, das oft langsam oder ungenau war, ist die Browser-Integration in Atlas robuster, da sie den visuellen Kontext nutzt. Tests von Android Authority und Wired zeigten, dass der Agent Aufgaben wie Produktvergleiche oder Reiseplanungen in unter einer Minute erledigt, was Chrome-Nutzer mit manuellen Suchen übertrifft. Zukünftige Updates sollen den Agent erweitern, z. B. um Integration mit Drittanbieter-Apps oder kollaborative Features für Teams. Dennoch bleibt die Einschränkung auf Tabs eine bewusste Designentscheidung, um Datenschutz zu wahren und Missbrauch zu verhindern.
Datenschutz und Sicherheitsmaßnahmen
OpenAI hat Atlas von Grund auf mit robusten Datenschutz- und Sicherheitsfeatures konzipiert, da der Zugriff auf Browsing-Kontext und Agent-Aktionen neue Risiken birgt, wie ungewollte Datenfreigaben oder automatisierte Fehlentscheidungen. Alle Browser-Memories sind privat und an das Nutzerkonto gebunden, mit voller Kontrolle über Speicherung, Löschung und Sichtbarkeit – nichts wird ohne Zustimmung geteilt oder für Werbung genutzt. Der Agent ist strikt auf Tab-Inhalte beschränkt und kann keine Systemfunktionen ausführen, was durch integrierte Safeguards wie Permissions-Checks und Audit-Logs gewährleistet wird. Nutzer können pro Seite entscheiden, ob KI-Zugriff erlaubt ist, und es gibt Optionen, den gesamten Verlauf anonym zu surfen.
Diese Maßnahmen erfüllen Standards wie die DSGVO und basieren auf Chromiums Sicherheitsarchitektur, ergänzt um OpenAIs KI-spezifische Schutzmechanismen. Experten von Reuters und Wired loben die Transparenz, warnen aber vor potenziellen Lücken, z. B. wenn Nutzer versehentlich sensible Tabs offen lassen. OpenAI verspricht regelmäßige Audits und Updates, basierend auf Nutzerfeedback, um Vertrauen aufzubauen – ein kritischer Faktor in einem Markt, wo Datenskandale bei Konkurrenten wie Google häufig vorkommen. Insgesamt positioniert sich Atlas als sicherer AI-Browser, der Innovation mit Verantwortung verbindet.
So nutzt du Atlas – Installation und Verfügbarkeit
Atlas ist ab dem 20. Oktober 2025 weltweit für alle ChatGPT-Nutzer auf macOS verfügbar – kostenlos und ohne Wartezeiten. Der Agent-Modus bleibt zunächst auf Plus- und Pro-Abonnenten beschränkt, während Free-Nutzer Zugriff auf Chat und Memory haben. Die Installation ist unkompliziert und dauert nur Minuten: Besuche chatgpt.com/atlas, lade die .dmg-Datei herunter, öffne sie, ziehe die Atlas-App in den Programme-Ordner und starte sie. Melde dich mit deinem ChatGPT-Konto an, und importiere optional Bookmarks, Passwörter, Erweiterungen und Verlauf aus Chrome, Safari oder Firefox – Atlas erkennt diese automatisch und macht den Wechsel nahtlos. Um Atlas als Standard-Browser zu setzen, gehe in die Systemeinstellungen unter „Allgemein“ und wähle „Atlas als Standard verwenden“.
Nach dem Setup erscheint die vertraute Oberfläche mit Tabs, Lesezeichen-Leiste und Adressleiste, ergänzt um die Chat-Sidebar und Memory-Vorschläge. Für erste Tests Öffne eine News-Seite, aktiviere ChatGPT und lass es zusammenfassen; oder nutze die Suche für eine komplexe Anfrage wie „Vergleiche iPhone-Modelle basierend auf aktuellen Reviews“. OpenAI plant baldige Erweiterungen: Windows-Versionen sind für Anfang 2026 angekündigt, gefolgt von mobilen Apps für iOS und Android, die Sync-Funktionen für Tabs und Memories bieten sollen. „Das ist erst der Anfang eines längeren Wegs“, betonte Altman, und das Team sammelt Feedback über die App und das Help-Center, um Features wie Erweiterungen oder Multi-Account-Support hinzuzufügen. Tech-Medien wie Tom’s Guide und CNBC empfehlen, Atlas parallel zu Chrome zu testen, um den Unterschied in der Produktivität zu spüren.
