Musk wütet auf X gegen Trumps Verkehrsminister: Er “versucht, die NASA zu töten!”
Elon Musk, der einflussreiche Tech-Milliardär und CEO von SpaceX, hat sich erneut öffentlich mit der Trump-Regierung überworfen – diesmal zielt sein Zorn auf Verkehrsminister Sean Duffy ab, der zugleich als amtierender NASA-Administrator fungiert. Die hitzige Auseinandersetzung entfaltet sich auf der Plattform X, die Musk selbst besitzt und die früher als Twitter bekannt war. Im Kern geht es um Vorwürfe der Verzögerungen im US-Mondprogramm, die Rolle von Musks SpaceX und mögliche Umstrukturierungen der NASA. Diese Konfrontation unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen privaten Raumfahrtpionieren und der Regierung, die seit der Wiederwahl von Präsident Trump im November 2024 zunehmen.
Die Debatte hat nicht nur in den USA Aufsehen erregt, sondern wirft auch ein Licht auf die globale Konkurrenz im Weltraum, insbesondere mit China als zunehmendem Rivale. Musk, der mit SpaceX die NASA-Verträge dominiert, sieht in Duffys Äußerungen eine Bedrohung für die Unabhängigkeit der Raumfahrtbehörde und die Fortschritte der US-Raumfahrt.
Der große Kontext
Die Kritik von Musk an Duffy kam diese Woche auf, nachdem der Minister andeutete, dass SpaceX seine vertraglichen Verpflichtungen zur Rückführung US-amerikanischer Astronauten zum Mond nicht einhält. Diese Vorwürfe basieren auf einem Bericht des Wall Street Journal, der berichtet, dass Duffy Pläne vorantreibt, die NASA in das US-Verkehrsministerium (Department of Transportation) zu integrieren. Eine solche Fusion würde die NASA, die seit ihrer Gründung 1958 als unabhängige Bundesbehörde operiert, stark einschränken. Experten wie die der Federation of American Scientists warnen, dass dies die wissenschaftliche Freiheit und die Forschungsautonomie der NASA gefährden könnte, da das Verkehrsministerium primär auf zivile Infrastruktur wie Straßen und Flughäfen fokussiert ist.
Musk reagierte am Dienstag mit einer Flut von Posts auf X, in denen er Duffy wiederholt als „Sean Dummy“ verspottete – eine Anspielung auf seinen Nachnamen und eine abwertende Bezeichnung für Dummheit. In einem markanten Beitrag schrieb Musk: „Er versucht, die NASA umzubringen!“ Diese Worte spiegeln Musks tiefe Frustration wider, da SpaceX eng mit der NASA kooperiert und Milliarden an Verträgen abhängig von der Behörde ist. Die Auseinandersetzung passt in eine längere Geschichte von Konflikten: Bereits im März 2025 hatte Musk mit Duffy über Kürzungen beim Federal Aviation Administration (FAA) gestritten, das für die Regulierung von SpaceX-Starts zuständig ist, wie die New York Times detailliert berichtete. Diese Kürzungen waren Teil der DOGE-Initiative (Department of Government Efficiency), die Musk kurzzeitig mitgeprägt hatte.
Trotz eines vergleichsweise versöhnlichen Tons zwischen Musk und Präsident Trump seit ihrem öffentlichen Zerwürfnis im Juni 2025 – ausgelöst durch Differenzen über Regulierungen und Steuern – zögert Musk nicht, andere Mitglieder der Administration anzugreifen. Trump selbst hat Musk in der Vergangenheit gelobt, etwa für SpaceX-Beiträge zur nationalen Sicherheit, doch die Dynamik bleibt volatil. Analysten der Brookings Institution sehen in solchen Streitigkeiten ein Symptom für die Spannungen zwischen Trumps deregulierendem Ansatz und den Bedürfnissen etablierter Institutionen wie der NASA.
Was hat den Streit ausgelöst?
Der Auslöser war ein Interview von Duffy bei CNBC in der Sendung „Squawk Box“ am Montag. Dort kritisierte er SpaceX scharf und sagte, das Unternehmen liege „hinter dem Zeitplan“ beim Artemis-Programm, das die USA seit 2017 vorantreibt, um als erstes Land mit einer vielfältigen Crew – einschließlich der ersten Frau und der ersten Person of Color auf dem Mond – zurückzukehren. Das Programm umfasst mehrere Missionen: Artemis I testete 2022 erfolgreich das Orion-Raumschiff unbesetzt, doch bemannte Flüge verzögern sich. Duffy betonte, er plane, Verträge mit Konkurrenten wie Jeff Bezos’ Blue Origin oder Sierra Space zu vergeben, um den Fortschritt zu beschleunigen.
„Wir warten nicht auf ein einziges Unternehmen“, erklärte Duffy klar. „Wir treiben das voran und gewinnen das zweite Wettrennen im Weltraum gegen die Chinesen. Zurück zum Mond, ein Lager aufbauen, eine Basis etablieren.“ Diese Worte zielen auf Chinas ambitioniertes Mondprogramm ab, das mit der Chang’e-Missionen bereits Proben vom Mond zurückholte und bis 2030 eine internationale Forschungsstation plant, wie das China National Space Administration (CNSA) ankündigte. Duffys Ansatz soll den Wettbewerb fördern, doch Kritiker wie Musk argumentieren, dass er die Expertise von SpaceX unterschätzt, die durch wiederverwendbare Raketen wie die Falcon 9 und Starship Kosten senkt und Zuverlässigkeit steigert.
Am Dienstag explodierte die Debatte auf X. Musk bezog sich direkt auf den Wall-Street-Journal-Artikel und postete eine Serie von Beiträgen. In einer Antwort auf einen Nutzer, der Duffys Entlassung forderte, schrieb Musk: „Die Person, die für das US-Raumfahrtprogramm verantwortlich ist, kann keinen zweistelligen IQ haben.“ Diese beißende Bemerkung unterstreicht Musks Stil, Kritiker persönlich anzugreifen. Er startete zudem eine Umfrage unter seinen Followern: „Soll jemand, dessen größter Ruhm das Klettern an Bäumen ist, das US-Raumfahrtprogramm leiten?“ Hier spielt Musk auf Duffys Vergangenheit als wettbewerbsfähiger Speed-Kletterer an, eine Leidenschaft aus seiner Jugend in Wisconsin, bevor er als Reality-TV-Star in „The Real World“ und später als republikanischer Kongressabgeordneter bekannt wurde. Duffy diente von 2011 bis 2019 im Repräsentantenhaus und war Fox-News-Kommentator, was seine politische Karriere prägte, aber wenig Expertise in der Raumfahrt mitbringt.
Duffy wich Musks direkten Beleidigungen aus und postete stattdessen am Dienstag auf X, um seine Montagsaussagen zu untermauern. Er sprach von der Notwendigkeit, die Produktion „zu öffnen“ für Blue Origin und andere Firmen, um Monopole zu vermeiden. Ein Nutzer konterte: „Es scheint albern, sich vorzustellen, dass jemand uns schneller als SpaceX hinkommt.“ Musk sprang sofort ein: „Das werden sie nicht. SpaceX bewegt sich wie ein Blitz im Vergleich zum Rest der Raumfahrtbranche.“ Am nächsten Tag erwiderte Duffy diplomatisch: „Ich liebe die Leidenschaft. Das Rennen zum Mond läuft. Große Unternehmen sollten keine Angst vor einer Herausforderung haben.“ Diese Interaktion zeigt, wie X als Arena für Echtzeit-Politik und Business-Kämpfe dient.
Als Axios nach Kommentar zu Musks Attacken fragte, leitete NASA-Sprecherin Bethany Stevens die Anfrage an Duffys Post weiter, was auf eine offizielle Zurückhaltung hindeutet. Interne NASA-Quellen, zitiert von SpaceNews, deuten an, dass die Behörde unter Duffy Druck steht, das Budget von 25 Milliarden Dollar effizienter zu nutzen, was zu mehr Wettbewerb führen könnte.
Die Stimmen im Netz
Die Auseinandersetzung auf X hat eine Welle von Reaktionen ausgelöst, die die Polarisierung in der Tech- und Raumfahrt-Community widerspiegelt. Musk, mit über 200 Millionen Followern, nutzt die Plattform, um seine Agenda zu pushen. Am Dienstag teilte er einen Post eines Nutzers, der Jared Isaacman verteidigt, dessen Nominierung als NASA-Administrator im Mai 2025 von Donald Trump zurückgezogen wurde. Der Nutzer nannte es „so dumm“, gegen Isaacman zu lobbyieren, „den qualifiziertesten und besten Kandidaten für den neuen NASA-Posten“. Isaacman, Gründer von Shift4 Payments und ein passionierter Raumfahrer, ist ein enger Verbündeter von Musk. Er flog 2021 die Inspiration4-Mission, die erste rein private Orbit-Mission mit einer SpaceX-Crew Dragon, und 2024 die Polaris Dawn, die den ersten kommerziellen Spaziergang im All ermöglichte.
Isaacman hatte bei der Nominierungs-Rücknahme spekuliert, dass Trump dies tat, um sich von Musks früherer Rolle als DOGE-Chef zu distanzieren – eine temporäre Position, in der Musk bürokratische Effizienz vorantrieb, aber auch Konflikte mit Regulierungsbehörden schürte. Andere Nutzer auf X, darunter Brancheninsider wie ehemalige NASA-Mitarbeiter, stimmen Musk zu und warnen vor einer Schwächung der NASA durch politische Einflüsse. Ein Thread von Space Policy Online hob hervor, dass Duffys Hintergrund in der Politik ihn weniger geeignet macht als Ingenieure oder Wissenschaftler.
Auf der anderen Seite verteidigen Unterstützer von Duffy den Wettbewerbsansatz. Ein Blue-Origin-Sprecher, zitiert von Reuters, begrüßte die Chance, mehr Verträge zu gewinnen, und betonte, dass Vielfalt in der Lieferkette das Programm robuster macht. Die Debatte hat auch Memes und Satire produziert, die Duffys Kletter-Hintergrund mit Raumfahrt-Motiven verknüpfen, was die virale Natur von X unterstreicht.
Hintergrund zum Mondprogramm
Das Artemis-Programm ist ein Eckpfeiler der US-Raumfahrtstrategie, mit einem Budget von über 93 Milliarden Dollar bis 2025, wie Kongressberichte belegen. Es baut auf dem Erfolg des Apollo-Programms auf, das 1969 den ersten Mondlanding ermöglichte, und zielt auf nachhaltige Präsenz ab, inklusive einer Lunar Gateway-Station in der Mondumlaufbahn. SpaceX sicherte sich 2021 den lukrativen Vertrag für das Human Landing System (HLS) im Wert von 2,9 Milliarden Dollar und schlug Blue Origin in einem harten Bieterverfahren. Starship, das HLS-Fahrzeug, hat beeindruckende Testflüge absolviert, darunter den vierten Orbitalversuch im Juni 2024, der trotz Explosionen Fortschritte zeigte.
Blue Origin entwickelt parallel das Blue Moon-Lander und hat Partnerschaften mit NASA für andere Artemis-Komponenten, wie das Optisches Kommunikationssystem. Bis zum 29. Oktober haben beide Firmen Zeit, Vorschläge zur Beschleunigung einzureichen, wie NASA-Beamte CNBC bestätigten. Das Programm litt jedoch unter mehreren Rückschlägen: Im Januar 2025 verschob die NASA die Artemis-II-Mission (der erste bemannte Orion-Flug) auf 2026, und Artemis-III (der Mondlanding) auf 2027. Gründe umfassen technische Probleme bei Starship-Tests, wie Hitzeschild-Versagen, sowie Lieferkettenstörungen und Budgetüberschreitungen, detailliert in GAO-Berichten (Government Accountability Office).
Die Rivalität zwischen SpaceX und Blue Origin reicht zurück bis 2021, als Blue Origin die NASA verklagte und den Vertrag verzögerte. Heute konkurrieren sie um NASAs Förderung, während internationale Partner wie die ESA (Europäische Weltraumorganisation) und JAXA (Japan) beitragen. Chinas Fortschritte – mit der geplanten Chang’e-7-Mission 2026 – erhöhen den Druck, wie Berichte des US Space Force betonen. Experten der Planetary Society argumentieren, dass Wettbewerb innovativ wirkt, aber Koordination essenziell ist, um Verzögerungen zu vermeiden.
Die Dynamik in der Trump-Regierung
Seit seiner Amtseinführung im Januar 2025 hat Präsident Trump die Raumfahrt priorisiert, mit einem Fokus auf kommerzielle Partnerschaften, um Kosten zu senken. Musk und Trump teilten Visionen für eine Mars-Kolonisation, doch der DOGE-Austritt im Frühjahr 2025 spaltete sie. Duffy, seit Februar 2025 Verkehrsminister, übernahm die NASA-Rolle nach der Isaacman-Affäre und bringt einen konservativen, effizienzorientierten Ansatz ein. Seine Vorschläge zur Integration in das Verkehrsministerium könnten regulatorische Synergien schaffen, warnen jedoch Organisationen wie die AIAA (American Institute of Aeronautics and Astronautics) vor Risiken für die Grundlagenforschung.
Trotz der öffentlichen Attacken bleibt Artemis eine nationale Priorität, um die US-Führung im Weltraum zu wahren. Ob Duffys Strategie zu mehr Wettbewerb das Programm antreibt oder behindert, wird in den nächsten Monaten klarer, insbesondere mit anhaltenden Tests und Budgetverhandlungen im Kongress. Die Auseinandersetzung zwischen Musk und Duffy symbolisiert den Kampf um die Zukunft der US-Raumfahrt: Innovation durch Privatwirtschaft versus staatliche Kontrolle.
Informationen wurden von Axios und Yahoo gesammelt.
