7 in Luxemburg ansässige Unternehmen arbeiten an Mond- und Marsmissionen
Luxemburg, bekannt für seine Banken und EU-Institutionen, hat sich in den letzten Jahren zu einem unerwarteten Hotspot für Weltraumtechnologie entwickelt. Mit über 70 Raumfahrtunternehmen und einem klaren Fokus auf nachhaltige Ressourcennutzung im All positioniert sich das Großherzogtum als Schlüsselplayer bei zukünftigen Mond- und Marsmissionen. In diesem Artikel stellen wir sieben Unternehmen vor, die mit innovativen Technologien die Raumfahrt revolutionieren – gebaut und gesteuert aus Luxemburg.
1. ispace Europe: Pionier der europäischen Mondrobotik
ispace Europe, die europäische Niederlassung des japanischen Unternehmens ispace, hat mit TENACIOUS den ersten komplett in Europa entwickelten Mondrover gebaut. Der micro-rover wurde in Luxemburg-Stadt entworfen, getestet und montiert. Er ist Teil der NASA Artemis-Mission und soll 2025 auf dem Mond landen, um Regolith (Mondgestein) zu sammeln und rechtliche Rahmenbedingungen für Ressourcennutzung zu testen.
Wichtige Fakten im Überblick:
| Gründungsjahr | 2020 (als Teil von ispace Inc.) |
| Sitz | Luxemburg-Stadt |
| Schwerpunkt | Entwicklung von Mondrovern |
| Missionen | NASA Artemis-Programm |
| Besonderheit | Erster europäischer Mondrover |
Der Rover wiegt nur 5 kg, übersteht Temperaturen von -170°C bis 120°C und wird vollständig vom Luxemburger Kontrollzentrum aus gesteuert. Ein Testgelände mit künstlichen Kratern im Paul-Wurth-Gebäude simuliert die Mondoberfläche für präzise Vorbereitungen.
2. Astroport Europe: Baumeister für die Mondinfrastruktur
Astroport Europe, eine Tochtergesellschaft des US-Unternehmens Astroport Space Technologies, entwickelt Technologien für Mondlandeplätze und Straßen aus Regolith. Das Ziel: Sichere Landezonen für Raketen schaffen und langfristige Mondkolonien ermöglichen.
| Gründungsjahr | 2023 |
| Sitz | Luxemburg |
| Schwerpunkt | Infrastruktur aus Mondgestein |
| Partner | NASA, InterFlight Global Europe |
| Technologie | 3D-Druck mit Regolith |
Das Unternehmen nutzt Luxemburgs Expertise in Raumfahrtrecht und kooperiert mit dem Luxembourg Space Agency (LSA). Aktuell arbeitet Astroport an einem Prototypen für Landepads, die Staubwolken bei Raketenstarts reduzieren sollen.
3. CubeRover SARL: Kleine Rover für große Missionen
CubeRover, ein Spin-off des US-Unternehmens Astrobotic, stellt kostengünstige Mini-Rover her, die weltweit für Mond- und Marsmissionen genutzt werden. Die Luxemburger Niederlassung dient als europäische Drehscheibe für Design und Produktion.
| Gründungsjahr | 2018 |
| Sitz | Luxemburg |
| Schwerpunkt | Miniaturisierte Rover |
| Preisrange | 10–50 Mio. € (je nach Größe) |
| Kunden | Universitäten, Regierungen, ESA |
Ein CubeRover ist bis zu 10-mal günstiger als traditionelle Rover und kann flexibel mit Kameras, Bohrern oder Sensoren ausgestattet werden. 2023 lieferte das Unternehmen einen Rover für eine ESA-Mission zur Erforschung von Mondwasser.
4. OffWorld Europe: Autonome Roboter für Ressourcennutzung
OffWorld Europe entwickelt Schwärme autonomer Roboter, die auf dem Mond und Mars selbstständig Rohstoffe abbauen und verarbeiten. Die Technologie soll Sauerstoff und Baumaterialien vor Ort produzieren – ein Schlüssel für langfristige Missionen.
| Gründungsjahr | 2023 (Kooperation mit LSA) |
| Sitz | Luxemburg |
| Schwerpunkt | In-situ-Ressourcennutzung (ISRU) |
| Partnerschaft | ESA, Luxembourg Space Agency |
| Ziel | Robotersysteme für Artemis |
Erstmals kam die Technologie 2024 in einer chilenischen Mine zum Einsatz, wo sie erfolgreich Erz förderte. Die Roboter nutzen KI, um Gesteinsproben zu analysieren.
5. EmTroniX: Elektronik für extreme Bedingungen
EmTroniX liefert hochpräzise Elektronik für Satelliten und Rover. Die in Luxemburg entwickelten Systeme überstehen Strahlung, Vakuum und extreme Temperaturen und sind in über 50 ESA-Missionen im Einsatz.
| Gründungsjahr | 2015 |
| Sitz | Luxemburg |
| Schwerpunkt | Raumfahrtelektronik |
| Produkte | Kommunikationssysteme, Sensoren |
| Kunden | ESA, ispace, CubeRover |
2024 gewann das Unternehmen einen Auftrag zur Entwicklung eines Funkmoduls für den Mars-Helikopter «Ingenuity 2.0».
6. InterFlight Global Europe: Logistik für den Mond
InterFlight Global Europe plant Transportrouten und Lager für Mondmissionen. Das Unternehmen koordiniert Lieferungen von Erde zum Mond und entwickelt wiederverwendbare Container für Regolith.
| Gründungsjahr | 2020 |
| Sitz | Luxemburg |
| Schwerpunkt | Weltraumlogistik |
| Partner | Astroport Europe, NASA |
| Innovation | Roboterarme für Frachtumschlag |
Ein aktuelles Projekt umfasst die Lieferung von 3D-Druckern an das geplante Mondcamp der ESA.
7. Made In Space Europe: Fabriken im Orbit
Made In Space Europe, eine Tochter des US-Original, spezialisiert sich auf 3D-Druck in Schwerelosigkeit. Die in Luxemburg entwickelten Drucker produzieren Werkzeuge und Ersatzteile direkt auf der ISS oder zukünftigen Mondstationen.
| Gründungsjahr | 2021 |
| Sitz | Luxemburg |
| Schwerpunkt | In-orbit-Fertigung |
| Technologie | Metall- und Polymerdruck |
| Mission | ISS, geplante Mondbasis |
2025 soll ein Prototyp auf der ISS getestet werden, um Astronauten unabhängiger von Erdlieferungen zu machen.
Luxemburgs Rolle in der globalen Raumfahrt
Luxemburgs Erfolg basiert auf drei Säulen:
- Rechtliche Pionierarbeit: Als erstes europäisches Land erlaubt es seit 2017 die private Aneignung von Weltraumressourcen.
- Forschung: Einrichtungen wie das European Space Resources Innovation Centre (ESRIC) entwickeln Schlüsseltechnologien für Ressourcennutzung.
- Netzwerk: Über 70 Unternehmen profitieren von Luxemburgs Steuervorteilen und ESA-Kooperationen.
Bis 2027 will das Land den Raumfahrtsektor von 2 % auf 4 % der Wirtschaftsleistung verdoppeln.
Fazit
Von Mini-Rovern bis zu Mondlandeplätzen – Luxemburgs Unternehmen zeigen, dass Weltraumtechnologie nicht nur Großmächten vorbehalten ist. Durch kluge Gesetze, Forschung und internationale Partnerschaften ist das Großherzogtum zu einem unverzichtbaren Partner für NASA, ESA und private Raumfahrtprojekte geworden. Die nächsten Jahre werden entscheiden, ob Luxemburg auch beim Mars eine Schlüsselrolle einnimmt.
