7 Wege, wie die Schweiz die KI-Governance anders handhabt
Die Schweiz positioniert sich mit einem einzigartigen Ansatz in der Regulierung Künstlicher Intelligenz (KI). Statt pauschale Verbote oder umfassende Gesetze zu schaffen, setzt das Land auf pragmatische Lösungen, die Innovation fördern und gleichzeitig Risiken minimieren. Im Folgenden zeigen wir sieben zentrale Strategien, mit denen die Schweiz ihren Weg in der KI-Governance geht – und warum dieser international Beachtung findet.
1. Sektor-spezifische Regulierung statt umfassendem Gesetz
Anders als die EU mit ihrem KI-Gesetz verzichtet die Schweiz auf ein horizontales, branchenübergreifendes Regelwerk. Stattdessen werden bestehende Gesetze in Schlüsselbereichen wie Gesundheit, Verkehr oder Finanzwesen um KI-spezifische Anpassungen ergänzt.
Vorteile dieses Ansatzes:
- Flexibilität: Regeln können schneller an technologische Entwicklungen angepasst werden.
- Präzision: Risiken werden dort adressiert, wo sie tatsächlich auftreten (z. B. medizinische Diagnostik).
- Wettbewerbsvorteil: Schweizer Unternehmen bleiben innovativ, ohne durch Überregulierung behindert zu werden.
| Aspekt | Erläuterung |
| Branchenfokus | Gezielte Anpassungen in Gesundheitswesen, Verkehr und Finanzdienstleistungen |
| Rechtssicherheit | Klare Regelungen pro Sektor statt unklarer Allgemeinbestimmungen |
| Beispiel | Autonome Fahrzeuge: Neue Zulassungsvorschriften ab 2025 |
2. Fokus auf Grundrechte und Datenschutz
Die Schweiz konzentriert sich bei KI-Regeln auf den Schutz fundamentaler Rechte – insbesondere Privatsphäre und Nichtdiskriminierung. Kern ist die Anpassung des Datenschutzgesetzes (revDSG), das bereits EU-GDPR-Standards entspricht.
Schlüsselmaßnahmen:
- Transparenzpflichten für algorithmische Entscheidungsprozesse.
- Verbot von Social-Scoring-Systemen durch staatliche Stellen.
| Risikobereiche | Schweizer Lösungsansatz |
| Biased Algorithms | Ethikrichtlinien für öffentliche KI-Projekte |
| Deepfakes | geplantes Digitalplattformgesetz gegen Desinformation |
3. Integration der KI-Konvention des Europarats
Als erstes Land weltweit setzt die Schweiz die KI-Konvention des Europarats um – ein völkerrechtlicher Vertrag, der staatliche KI-Nutzung regelt.
Wesentliche Punkte der Konvention:
- Verbot von KI zur Massenüberwachung.
- Menschenrechte als verbindlicher Rahmen für staatliche KI-Systeme.
- Private Unternehmen nur bei horizontaler Wirkung (z. B. Arbeitsrecht).
| Konventionsziel | Schweizer Umsetzung |
| Transparenz | Pflicht zur Offenlegung von KI-Einsatz in Behörden |
| Rechenschaft | Neue Aufsichtsstrukturen für Hochrisiko-KI in der Verwaltung |
4. Kombination von rechtlichen und freiwilligen Maßnahmen
Neben Gesetzen setzt die Schweiz auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie. Ein Beispiel ist die „Swiss Digital Initiative“, die ethische KI-Richtlinien für Unternehmen entwickelt.
Instrumente-Mix im Überblick:
| Tool | Anwendungsbereich |
| Leitlinien | Ethische KI-Entwicklung (z. B. für Banken) |
| Zertifizierungen | „Trusted AI“-Siegel für verantwortungsvolle Systeme |
| Forschungspartnerschaften | ETH Zürich & Privatsektor für KI-Sicherheit |
5. Innovationsfreundlicher Ansatz ohne „Swiss Finish“
Um Schweizer Unternehmen keinen Wettbewerbsnachteil zu verschaffen, verzichtet der Bund auf zusätzliche nationale Auflagen („Swiss Finish“). Stattdessen orientiert man sich an internationalen Standards wie ISO 42001 für KI-Managementsysteme.
Beispiel Medizintechnik:
- Schweizer Medtech-Firmen nutzen EU-Zertifizierungen (MDR) auch national.
- Keine Doppelprüfungen bei KI-gestützten Diagnosegeräten.
6. Branchenspezifische Anpassungen für Schlüsselindustrien
Gesundheitswesen:
- Neue KLV-Anpassungen für KI-basierte Diagnosetools (ab 2026).
- Obligatorische klinische Validierung für generative KI in der Radiologie.
Finanzsektor:
- FINMA-Leitfaden zu KI-Risiken im Asset Management (Q3 2025).
- Stresstests für algorithmische Handelsplattformen.
7. Internationale Ausrichtung und Kompatibilität
Die Schweiz koordiniert ihre KI-Politik eng mit der EU und den USA, um Handelshemmnisse zu vermeiden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Interoperabilität von Zertifizierungen.
| Partner | Kooperationsbereich |
| EU | gegenseitige Anerkennung von KI-Conformity Assessments |
| USA | Joint Ventures in KI-Sicherheitsforschung (MIT/ETH) |
| WEF | Global Governance Alliance for AI |
Fazit
Die Schweiz geht mit einem differenzierten Mix aus sektoralen Gesetzen, internationalen Abkommen und industrieller Selbstregulierung vor. Dieser Ansatz vermeidet Überregulierung, stärkt das Vertrauen in KI-Systeme und positioniert das Land als europäischer Hub für verantwortungsvolle Innovation. Die Herausforderung wird sein, die Flexibilität zu erhalten, ohne bei Risiken wie Deepfakes oder autonomer Kriegsführung zu naiv zu agieren.
