NachrichtWeltnachrichten

G20-Gipfel Schließt in Südafrika Nach Abwesenheit der USA

Der G20-Gipfel in Südafrika, der am Wochenende stattfand, war in mehrfacher Hinsicht ein historischer und ungewöhnlicher Veranstaltung. Als erstes Treffen dieser Art auf dem afrikanischen Kontinent brachte er eine breite Palette an Weltführern zusammen, um Themen wie globale Wirtschaft, Klimawandel und Entwicklungsfragen zu besprechen. Doch der Gipfel war geprägt von der auffälligen Abwesenheit der Vereinigten Staaten, der größten Wirtschaftsmacht der Welt, die den Boykott durch die Trump-Administration mit politischen Vorwürfen begründete. Die Teilnehmer einigten sich bereits zu Beginn der Verhandlungen auf eine umfassende Erklärung, was traditionell am Ende des Gipfels geschieht, und es fehlte an der üblichen symbolischen Übergabe des Vorsitzes – ein Bruch mit langjährigen Protokollen.​

Die Trump-Regierung entschied sich für den Boykott, nachdem Präsident Donald Trump die südafrikanische Regierung öffentlich beschuldigt hatte, weiße Farmer zu enteignen und Gewalt gegen die weiße Minderheit der Afrikaner zu tolerieren. Diese Vorwürfe basieren auf Fehlinformationen und alten Debatten über Landreformen in Südafrika, die Trump in seinen Reden wiederholt thematisierte, ohne auf aktuelle Fakten einzugehen. Zusätzlich kritisierte die US-Seite die Agenda des Gipfels, die stark auf Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) ausgerichtet war – Themen, die mit der “America First”-Politik der Trump-Administration kollidieren.

Trotz Bemühungen aus Washington, den gesamten Prozess zu behindern, etwa durch diplomatischen Druck und Vorab-Kritik, bezeichnete der südafrikanische Außenminister Ronald Lamola das Ereignis als großen Erfolg: „In Kürze: Das war ein großer Triumph für unser Land und zeigt, dass Multilateralismus trotz Herausforderungen lebendig ist.“ Der Gipfel fand in einem modernen Kongresszentrum statt, nur wenige Kilometer entfernt von der ikonischen Township Soweto in Johannesburg, einem Symbol für Südafrikas Geschichte des Widerstands gegen Apartheid.​

Abschlusszeremonie ohne Tradition

Am Sonntagmittag, dem letzten Tag des zweitägigen Gipfels, erklärte der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa das Treffen offiziell für beendet. In einer feierlichen Geste schlug er einen traditionellen Holzhammer auf einen Block – eine Geste, die in G20-Veranstaltungen üblich ist und den Abschluss markiert, ähnlich wie in Gerichtsverhandlungen. „Dieser Hammer des G20-Gipfels schließt das Treffen formell, und er geht nun an den nächsten G20-Vorsitzenden, die Vereinigten Staaten, wo wir uns im nächsten Jahr wiedersehen werden“, erklärte Ramaphosa in seiner Schlusserklärung. Diese Worte unterstrichen die geplante Rotation der Präsidentschaft, die normalerweise mit einer physischen Übergabe des Hammers an den designierten Nachfolger einhergeht.​

Doch aufgrund der US-Abwesenheit kam es zu keiner solchen Zeremonie. Präsident Trump selbst war nicht anwesend, und die US-Delegation bestand lediglich aus niederrangigen Beamten, die keinen direkten Kontakt zu den Führern hatten. Die Amerikaner hatten in letzter Minute vorgeschlagen, dass Ramaphosa den Hammer an einen Botschaftsbeamten in Afrika übergeben solle, was die südafrikanische Seite als respektlos ablehnte. Ramaphosas Sprecher Vincent Magwenya betonte gegenüber Journalisten: „Das wäre ein Bruch des Protokolls, der noch nie vorgekommen ist – und er wird hier in Südafrika nicht zum ersten Mal passieren.“ Stattdessen wird die formelle Übergabe nun am Montag in einer separaten Zeremonie zwischen Beamten gleichen Ranges im südafrikanischen Außenministerium stattfinden. Trump hat bereits angekündigt, dass der nächste G20-Gipfel 2026 in Florida abgehalten werden soll, speziell in seinem Golfclub in Doral, was Kritiker als Versuch sehen, die Veranstaltung persönlich zu instrumentalisieren.​

Der Gipfel selbst war ein Meilenstein für Afrika, da er erstmals auf dem Kontinent stattfand und Themen wie den Zugang zu kritischen Mineralien – Südafrika ist ein führender Produzent von Platin und Chrom – sowie nachhaltige Energieübergänge in den Vordergrund rückte. Ramaphosa nutzte die Gelegenheit, um die Rolle Afrikas in der globalen Wirtschaft zu betonen, und lud über 20 kleinere afrikanische Staaten als Gäste ein, darunter Namibia mit seiner Präsidentin Netumbo Nandi-Ndaitwah, die die Bedeutung einer entwicklungszentrierten Perspektive hervorhob.​

Gemeinsame Erklärung trotz Boykott und Kritik

Ein weiterer unkonventioneller Aspekt war die Veröffentlichung der gemeinsamen Erklärung bereits am Eröffnungstag, dem Samstag. Die USA hatten Südafrika im Vorfeld gedrängt, auf eine abschließende Erklärung zu verzichten oder sie lediglich als „Vorsitzenden-Erklärung“ zu kennzeichnen, um den Eindruck einer vollständigen Einigung zu vermeiden. Ramaphosa konterte diese Forderung mit den Worten: „Wir lassen uns nicht einschüchtern oder bullyen“, und ließ die 39-seitige, 122-Punkte-Deklaration ohne US-Input verabschieden. Dieses Dokument, das auf der offiziellen G20-Website verfügbar ist, betont multilaterale Zusammenarbeit und adressiert drängende globale Herausforderungen wie den Klimawandel, Geschlechtergleichheit, die Schuldenkrise armer Länder und den Übergang zu grüner Energie.​

Die Erklärung fordert unter anderem finanzielle Unterstützung für Länder, die von klimabedingten Katastrophen betroffen sind, Strategien zur Linderung von Schuldenlasten in Entwicklungsländern und den Ausbau nachhaltiger Energien. Solche Themen stehen im Konflikt mit der Trump-Politik, die Klimaschutz als übertrieben abtut und auf nationale Interessen setzt. Eine Weißhaus-Sprecherin kritisierte die Entscheidung scharf und warf Ramaphosa vor, den reibungslosen Übergang der G20-Präsidentschaft zu sabotieren. Sie betonte, Trump wolle nächstes Jahr die „Legitimität“ der Gruppe wiederherstellen. Argentinien, vertreten durch Präsident Javier Milei – einen engen Trump-Verbündeten mit libertären Ansichten –, äußerte Vorbehalte gegenüber der DEI-fokussierten Sprache und boykottierte ebenfalls mit der persönlichen Teilnahme, schickte aber eine Delegation, die letztlich zustimmte. Die Deklaration ist nicht rechtlich bindend, doch sie signalisiert eine Priorisierung des Globalen Südens und wurde von Ländern wie Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, Japan, Kanada und Russland unterstützt.​

Trotz einiger Auslassungen – etwa fehlt ein Vorschlag für ein neues internationales Panel zur Ungleichheit, ähnlich dem IPCC für den Klimawandel – gilt die Erklärung als Erfolg für Südafrika. Organisationen wie Oxfam lobten sie als Wendepunkt: „Dies ist das erste Mal, dass die Ungleichheitskrise im Zentrum der G20-Agenda steht“, sagte Max Lawson von der Armutsbekämpfungs-NGO. Der Gipfel, der 1999 nach der Asienkrise gegründet wurde, umfasst 19 führende Volkswirtschaften plus EU und Afrikanische Union, doch seine Wirksamkeit bei Konflikten wie dem Ukraine-Krieg bleibt umstritten – die Erklärung erwähnt den Konflikt nur einmal und ruft allgemein zu Frieden auf.​

Lob für Südafrika und anhaltende globale Spaltungen

Die anwesenden Staats- und Regierungschefs dankten Südafrika herzlich für seine Führungsrolle. Französische Präsident Emmanuel Macron umarmte Ramaphosa demonstrativ und nannte den Gipfel einen „wichtigen Meilenstein für den Kontinent“. Ramaphosa selbst feierte das Ereignis als Sieg des Multilateralismus: „Südafrika hat diese Präsidentschaft genutzt, um die Prioritäten Afrikas und des Globalen Südens ins Herz der G20-Agenda zu rücken – mit Fokus auf Entwicklungsfragen, die arme Volkswirtschaften am dringendsten betreffen.“ In einem unbewachten Moment, der von einem offenen Mikrofon aufgezeichnet wurde, gestand er ein: „Es war nicht einfach.“ Südafrika betonte Themen wie kritische Mineralien, Schuldenentlastung und faire Energieübergänge, die für den afrikanischen Kontinent von zentraler Bedeutung sind.​

Dennoch machten sich die Spaltungen durch den US-Boykott bemerkbar. Macron räumte ein, dass die G20 „kämpft, um zu geopolitischen Gemeinsamkeiten zu finden“. Am Rande des Gipfels dominierten internationale Konflikte die Gespräche. Europäische Führer veröffentlichten eine Erklärung, in der sie den neuen US-Friedensplan für die Ukraine ablehnten – ein Vorschlag, der als russlandfreundlich gilt und Einschränkungen für die ukrainischen Streitkräfte vorsieht, was die Kiewer Regierung verletzlich machen würde. Sie forderten „zusätzliche Arbeit“ und warnten vor zukünftigen Bedrohungen. Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva äußerte separat Bedenken über den US-Militäraufbau in der Nähe Venezuelas, den er als Eskalation sah und der die regionale Stabilität gefährde.​

Insgesamt markierte der Johannesburg-Gipfel den vierten G20-Vorsitz des Globalen Südens in Folge und unterstrich die wachsende Rolle Afrikas in der Weltwirtschaft. Trotz der Herausforderungen durch den Boykott wurde er als Symbol für Solidarität und Nachhaltigkeit gewertet, auch wenn Beobachter die langfristige Umsetzung der Ziele skeptisch betrachten. Südafrika hat damit gezeigt, dass es multilaterale Zusammenarbeit vorantreiben kann, selbst unter Druck.