4 Autonome Verkehrsleitsysteme in österreichischen Städten
Österreichs Städte setzen zunehmend auf autonome Verkehrsleitsysteme, um Staus zu reduzieren, die Sicherheit zu erhöhen und den Verkehrsfluss zu optimieren. Diese intelligenten Systeme kombinieren Sensortechnik, künstliche Intelligenz und Echtzeit-Datenverarbeitung. Sie reagieren dynamisch auf Verkehrssituationen – von Unfällen bis zu Stoßzeiten – und steuern Ampelschaltungen, Geschwindigkeitslimits oder Fahrspurfreigaben. Besonders in urbanen Zentren wie Wien, Graz und Salzburg zeigen Pilotprojekte, wie diese Technologien den Stadtverkehr revolutionieren.
Rechtliche Grundlagen und Rahmenbedingungen
Seit 2016 schafft die Automatisiertes Fahren Verordnung (AutomatFahrV) die Basis für Tests automatisierter Systeme.
Sie regelt:
- Zulässige Einsatzbereiche: Autobahnassistenten, Einparkhilfen und Testfahrten auf öffentlichen Straßen
- Sicherheitsanforderungen: Strenge Einhaltung der Straßenverkehrsordnung
- Testbedingungen: Geschwindigkeitslimits, Fahrzeugtypen und Infrastruktur-Voraussetzungen
Für den Regelbetrieb autonomer Fahrzeuge gelten aktuell noch Einschränkungen. Vollautonome Systeme (Level 4-5) dürfen nur in definierten Testzonen operieren, während Assistenzsysteme bis Level 3 auf Autobahnen bis 130 km/h zugelassen sind.
Pilotprojekte in urbanen Räumen
Wien: Autonome Shuttles in der Seestadt Aspern
Seit 2019 testen die Wiener Linien selbstfahrende Elektro-Kleinbusse im Stadtentwicklungsgebiet Aspern:
- Strecke: 10 Haltestellen rund um die U-Bahn-Station Seestadt
- Kapazität: Je 11 Fahrgäste pro Shuttle
- Sicherheit: Lidar-Sensoren und Operator an Bord
- Ziel: Integration autonomer Flotten in den öffentlichen Verkehr
Das Projekt auto.Waves simuliert zudem die Auswirkungen großer autonomer Fahrzeugflotten auf Energieverbrauch und Stadtplanung.
Salzburg: Digibus® Austria als Leitprojekt
Im Salzburger Land erforscht Digibus® Austria den Einsatz automatisierter Shuttles als Zubringer zum öffentlichen Nahverkehr:
- Technologie: Teilautomatisierte Erstellung digitaler Karten
- Testfokus: Interaktion mit Fußgängern und Radfahrern
- Pilotbetrieb: 2023 mit umgebautem VW e-Crafter
- Ziel: Österreichisches Referenzmodell für automatisierten ÖPNV
Graz: Smarte Kreuzungen und C-ITS
Graz setzt auf kooperative Systeme (C-ITS) und Sensorik:
- Fußgänger/Radfahrer-Erfassung: Intelligente Kameras an Kreuzungen
- Verkehrssteuerung: Priorisierung von Bussen via C-ITS
- Umweltzonen: Automatisierte Zufahrtskontrollen (UVAR)
Tabelle: Vergleich städtischer Pilotprojekte
| Stadt | Projektname | Fokus | Status |
| Wien | auto.Bus Seestadt | Shuttle-Betrieb | Testphase bis 2021 |
| Salzburg | Digibus® Austria | Nahverkehrs-Zubringer | Pilotbetrieb 2023 |
| Graz | C-Roads Austria 3 | C-ITS-Dienste | Laufend bis 2025 |
| Klagenfurt | C-Roads Austria 3 | Urbane Vernetzung | Gestartet 2022 |
Infrastruktur und Verkehrsmanagement
Die ASFINAG treibt mit über 350 Mio. Euro Investitionen den Aufbau moderner Verkehrstelematik voran:
- Verkehrsmanagementzentrale Wien: Echtzeit-Datenauswertung für ganz Österreich
- Dynamische Systeme: 1100 km Autobahnen mit adaptiven Leit- und Informationssystemen
- C-ITS-Integration: Warnungen vor Baustellen oder Staus via Fahrzeugkommunikation
In Salzburg liefert sTC-net die Basis für ein flächendeckendes Verkehrsleitsystem. Sensoren erfassen Verkehrsströme, während Algorithmen Störungen wie Unfälle erkennen und Steuerungsanpassungen veranlassen.
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Trotz Fortschritten bestehen Hürden:
- Datenschutz: Automatisierte Zufahrtskontrollen benötigen klare Regeln
- Standardisierung: Harmonisierung europäischer Systeme
- Akzeptanz: Nutzervertrauen in autonome Systeme
Die Zukunft liegt in der vernetzten Stadt (Smart City):
- 5G und IoT: Grundlage für Echtzeit-Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur
- KI-gestützte Prognosen: Vorhersage von Verkehrsaufkommen durch historische Daten
- Multimodale Integration: Verknüpfung autonomer Shuttles mit Öffis und Sharing-Angeboten
Fazit
Autonome Verkehrsleitsysteme werden Österreichs Städte nachhaltig verändern. Sie reduzieren nicht nur Staus und Emissionen, sondern erhöhen auch die Verkehrssicherheit. Wiener Pilotprojekte wie die Seestadt Aspern zeigen bereits heute, wie autonome Shuttles den öffentlichen Nahverkehr ergänzen können. Mit der Weiterentwicklung der C-ITS-Infrastruktur und neuen Projekten in Graz und Klagenfurt setzt Österreich international Maßstäbe. Entscheidend für den Erfolg sind nun die Skalierung der Pilotprojekte und der sichere Umgang mit Daten.
