6 solarbetriebene Smart-Building-Projekte in Graz
Graz setzt als österreichische Vorreiterstadt im Bereich Smart Buildings Maßstäbe. Diese Projekte verbinden Solarenergie mit intelligenter Gebäudetechnik und schaffen so zukunftsfähige Lösungen für Energieeffizienz und Wohnkomfort. Hier sind sechs wegweisende Initiativen, die zeigen, wie Graz die Energiewende im Gebäudesektor meistert.
1. Smart City Graz: Erneuerbares Energiekonzept
Technologie-Mix für 1.200 Bewohner
Dieses Projekt versorgt knapp 700 Wohnungen und Büros durch eine Kombination aus Geothermie, industrieller Abwärme und Photovoltaik. Die Energie Graz realisierte ein ausgeklügeltes System mit 20 Tiefensonden und einem 10.000-Liter-Wärmespeicher.
| Kernkomponenten | Spezifikationen |
| Energiequellen | PV-Anlagen, Geothermie, Abwärme |
| Wärmespeicher | 10.000 Liter Fassungsvolumen |
| Versorgte Haushalte | 1.200 Bewohner |
| CO₂-Einsparung | 250 Tonnen/Jahr |
Besonders innovativ: Das Mieterstrommodell „Unser Eigenstrom“ ermöglicht Bewohnern, selbst erzeugten Solarstrom direkt vom Dach zu nutzen.
2. Sportcenter Pichlergasse: PV-Großanlage
Städtische Vorzeigeinitiative
Die 2.000 m² große Photovoltaikanlage auf dem Dach des Sportcenters versorgt über 150 Grazer Haushalte und spart jährlich 250 Tonnen CO₂ ein. Als erstes Großprojekt des „PV-Masterplans Haus Graz“ demonstriert es die Machbarkeit städtischer Solaroffensiven.
Projektdaten im Überblick:
- Fläche: 2.000 m²
- Stromertrag: Äquivalent für 150 Haushalte (2.800 kWh/Jahr pro Haushalt)
- Investitionsumme: Teil des 30-MWpeak-Masterplans der Holding Graz
Vizebürgermeisterin Judith Schwentner betont: „Sauberer Strom direkt vor der Haustür macht Graz unabhängiger – gut fürs Klima und uns alle.“
3. EXCESS-Demogebäude: Positivenergie-Konzept
Revolutionäre Gebäudehülle
Im ehemaligen Industriegebiet „Tagger-Werk“ entsteht ein Vorzeigeprojekt mit multifunktionaler Fassade:
- Integrierte PV-Module in der Gebäudehülle
- Geothermische Wärmepumpen für Heizung/Kühlung
- Smartes Energiemanagement durch KI-gesteuerte Regelung
Das System aktiviert die thermische Masse des Gebäudes und erreicht so den Positivenergie-Standard. Lokal erzeugter Ökostrom aus Solaranlagen, Wärmepumpen und einem Kleinkraftwerk deckt den gesamten Energiebedarf.
4. Solar-Elektrisches Wohnprojekt
Autarke Wärme- und Stromversorgung
Ein Neubauprojekt südlich von Graz versorgt 8 Wohnungen ausschließlich mit PV-Strom für Heizung und Warmwasser. Die my-PV-Technologie ermöglicht:
| Energiebilanz | Wert |
| Monatlicher Netzbezug | ~100 kWh |
| Solarer Eigenanteil | >80% |
| Systemkosten | Geringer als konventionelle Heizungen |
Bauherr Martin Reiner resümiert: „Warum macht das nicht jeder so?“ nachdem eine Wohnung im März-Juni 2021 nur 100 kWh Netzstrom benötigte.
5. Hans-Riehl-Gasse: Solarthermie-Pilot
Großflächige Wärmegewinnung
Mit 319 m² Kollektorfläche demonstriert dieses Projekt seit 2002 die Machbarkeit solarer Fernwärme:
- Einsparung: 250 Tonnen CO₂/Jahr
- Innovation: Direkte Einspeisung ins Fernwärmenetz ohne Pufferspeicher
- Reichweite: Versorgung umliegender Wohnblöcke
6. Science Tower: Forschungs-Highlight
Symbol nachhaltiger Stadtarchitektur
Der 60 m hohe Turm im Smart-City-Distrikt nutzt:
- Transluzente Grätzel-Solarzellen in der Fassade
- Energieforschungslabore für urbane Technologien
- Dezentrales Microgrid zur autarken Stromversorgung
Als Teil des „Smart City Graz“-Flagshipprojekts verbindet er Ästhetik mit Hightech und dient als Blaupause für europaweite Nachahmung.
Graz’ Masterplan: Daten & Ziele
Holding Graz treibt die Solaroffensive systematisch voran:
| PV-Masterplan | Zielvorgabe |
| Installierte Leistung | 30 MWpeak |
| Jahresertrag | 30.000 MWh/a |
| Abdeckung Strombedarf | 42% des Haus-Graz-Bedarfs |
| CO₂-Reduktion | 8.000 Tonnen/Jahr |
„Dies ist die bedeutendste Einzelmaßnahme im Klimaschutzplan der Stadt“, unterstreicht die Holding.
Fazit: Graz als europäischer Vorreiter
Graz zeigt, wie Smart Buildings die Energiewende im urbanen Raum vorantreiben. Die Kombination aus PV-Technologie, smarter Regelung und sektorübergreifenden Konzepten macht Gebäude zu Kraftwerken. Mit dem PV-Masterplan setzt die Stadt klare Ziele: Bis 2030 sollen Solaranlagen auf städtischen Dächern 42% des kommunalen Strombedarfs decken. Diese Projekte beweisen – nachhaltige Gebäudetechnik ist kein Zukunftstraum, sondern gelebte Praxis in der Steiermark.
