4 Schlüsselereignisse, die Wallonien dazu veranlassten, eine Satellitenfabrik zu eröffnen
Walloniens Aufstieg zum europäischen Zentrum der Satellitenproduktion ist kein Zufall. Vier entscheidende Entwicklungen ebneten den Weg für die Eröffnung der Megafactory in Charleroi – Europas größter Satellitenfabrik. Diese Ereignisse zeigen, wie eine Region mit strategischen Investitionen, klugen Partnerschaften und visionären Unternehmen den Raumfahrtsektor revolutionierte.
1. Die Entstehung eines leistungsstarken Raumfahrtclusters
Walloniens Raumfahrtsektor verdreifachte in 20 Jahren Umsatz und Beschäftigtenzahl. Mit über 180 Unternehmen und Forschungseinrichtungen bildet Skywin das Herzstück dieses Ökosystems. Der Cluster vereint:
| Kennzahlen des Skywin-Clusters | Wert |
| Mitglieder | 158 Unternehmen/Forschungseinrichtungen |
| Jahresumsatz | 1,75 Mrd. € (90% Export) |
| Direkte Arbeitsplätze | 7.500 |
| Aktive Projekte | 85 (54 in F&E) |
| Gesamtbudget | 265 Mio. € |
Diese Dichte an Expertise ermöglichte Synergien entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Trägerraketen über Satellitenbau bis zu Erdbeobachtungsdaten.
Besondere Stärken entwickelte Wallonien in:
- Satellitenkomponenten: Thales Alenia Space in Charleroi
- Trägerraketen: Safran Aero Boosters (Ariane-6-Triebwerke)
- Bodenstationen: ESA-Zentrum in Redu
2. Aerospacelabs revolutionäres Produktionsmodell
Das 2018 gegründete Unternehmen Aerospacelab startete mit einer Mini-Fabrik in Louvain-la-Neuve (24 Satelliten/Jahr). Der Durchbruch kam durch zwei Innovationen:
- Autobau-Prinzip: Standardisierte Satellitenmodule mit kundenspezifischer Anpassung
- Vertikale Integration: Kontrolle über gesamte Produktionskette – von Design bis Datenauswertung
Die Nachfrage explodierte: Bis 2030 werden jährlich 1.700 Satellitenstarts prognostiziert. Aerospacelab reagierte 2022 mit der Ankündigung der Charleroi-Megafactory:
| Produktionskapazitäten im Vergleich | Charleroi | Louvain-la-Neuve |
| Satelliten pro Jahr | 500 | 24 |
| Fläche (m²) | 16.000 | 2.000 |
| Reinraumfläche (m²) | 4.000 | – |
| Arbeitsplätze | 400 | 140 |
Der erste Spatenstich erfolgte im Mai 2024, die Produktion startet 2026.
3. Entscheidende politische Weichenstellungen
Die wallonische Regierung trieb den Raumfahrtausbau strategisch voran:
- Finanzierung: SRIW und Sambrinvest unterstützten Aerospacelab beim Fabrikbau
- Standortpolitik: Ansiedlung des Galileo-Kontrollzentrums in Galaxia (2016)
- Forschungsförderung: Europäische Investitionsbank vereinbarte 2023 Raumfahrt-Finanzierungen
„In einer Region wie Wallonien kommen Unternehmen schnell voran. Entscheidungsträger sind zugänglich“, erklärt Aerospacelab den Standortvorteil. Die Raumfahrt wurde zum Kern der industriellen Neuausrichtung nach dem Niedergang der Schwerindustrie.
4. Industrielle Partnerschaften und internationale Investitionen
Schlüsselprojekte festigten Walloniens Technologieführerschaft:
- IBA/mi2-factory: 10-Mio.-€-Investition in Halbleitertechnik für effizientere Satellitenelektronik (Januar 2025)
- WINGS-Initiative: 20 wallonische Partner entwickeln seit 5 Jahren Schlüsseltechnologien für kohlenstoffarme Raumfahrt
- ESA-Partnerschaft: Anerkennung als Exzellenzzentrum für Sicherheitstechnik
Diese Allianzen positionieren Wallonien im „New Space“-Markt, wo private Unternehmen staatliche Raumfahrtprogramme ergänzen.
Fazit: Ein strategischer Masterplan geht auf
Walloniens Satellitenfabrik entstand durch präzise aufeinander abgestimmte Entwicklungen: Ein gewachsener Cluster, ein innovatives Unternehmen, politischer Gestaltungswille und internationale Technologiepartnerschaften. Die Megafactory in Charleroi macht Europa unabhängiger in der Satellitentechnik – und zeigt, wie eine Region durch kluge Spezialisierung weltweit sichtbar wird. Mit der geplanten Produktion von 500 Satelliten jährlich ab 2026 wird Wallonien zum unverzichtbaren Player in der neuen Raumfahrt-Ära.
