Palästina beantragt offiziell die BRICS-Mitgliedschaft; China signalisiert Unterstützung
Palästina hat einen Antrag auf volle Mitgliedschaft in den BRICS gestellt, erhielt jedoch noch keine Antwort und wird vorerst als Gast teilnehmen, sagte der palästinensische Botschafter in Russland, Abdel-Hafiz Nofal, am Freitag. Im Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur RIA bestätigte Nofal, dass die palästinensischen Behörden bereits einen formellen Antrag eingereicht haben. „Aber wie Sie wissen, hat Palästina bestimmte Bedingungen. Ich glaube, bis diese Bedingungen es uns erlauben, ein vollwertiges Mitglied zu werden, wird Palästina als Gast am Verband teilnehmen. Bisher haben wir keine Antwort erhalten“, erläuterte er. Diese Bedingungen beziehen sich wahrscheinlich auf die anhaltenden geopolitischen Herausforderungen Palästinas, einschließlich des Konflikts mit Israel und der begrenzten internationalen Anerkennung als vollwertiger Staat, was die Aufnahme in internationale Organisationen erschwert.
Hintergrund zu BRICS
Die BRICS wurden 2006 von Russland, China, Indien und Brasilien gegründet, wobei Südafrika 2011 beitrat. Der Verband dient als Plattform für wirtschaftliche und politische Kooperation unter Schwellenländern und zielt auf eine multipolare Weltordnung ab, die den Einfluss westlicher Institutionen wie des IWF oder der Weltbank herausfordert. Seit 2024 hat sich der Block erheblich erweitert: Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Äthiopien und der Iran sind beigetreten, während Indonesien im Januar 2025 folgte. Diese Erweiterung unterstreicht den wachsenden Einfluss des Globalen Südens und umfasst nun Länder mit einem kombinierten BIP von über 25 Billionen US-Dollar, was etwa 30 % der globalen Wirtschaftsleistung ausmacht. Zu den Partnerländern, die eng mit den BRICS zusammenarbeiten, ohne volle Mitgliedschaft, gehören Belarus, Bolivien, Kuba, Kasachstan, Malaysia, Nigeria, Thailand, Uganda, Usbekistan und Vietnam. Diese Partnerschaften ermöglichen Kooperationen in Bereichen wie Handel, Technologie und Infrastruktur, ohne die vollen Verpflichtungen einer Mitgliedschaft.
Chinas Reaktion und geopolitische Bedeutung

Auf die palästinensische Initiative reagierend, sagte China am Freitag: „Wir begrüßen es, wenn mehr gleichgesinnte Partner der BRICS-Kooperation beitreten und gemeinsam für eine gerechtere und ausgewogenere internationale Ordnung arbeiten.“ Der Sprecher des Außenministeriums, Guo Jiakun, betonte in Peking: „Die BRICS sind eine wichtige Plattform für die Zusammenarbeit unter Schwellenmärkten und Entwicklungsländern und eine starke Triebfeder für Multipolarität und mehr Demokratie in den internationalen Beziehungen. Die Plattform wird von Ländern des Globalen Südens weithin anerkannt.“ Chinas Unterstützung ist bedeutsam, da das Land eine führende Rolle in den BRICS einnimmt und sich für die Integration weiterer Nationen einsetzt, um den Einfluss der USA und Europas zu balancieren. Für Palästina könnte eine Mitgliedschaft wirtschaftliche Vorteile bringen, wie Zugang zu Entwicklungsfinanzierungen und Handelsabkommen, sowie politische Anerkennung auf globaler Ebene, was in Zeiten des Konflikts entscheidend ist.
Der Antrag Palästinas unterstreicht den wachsenden Appeal der BRICS für Länder des Globalen Südens, die nach Alternativen zu westlich dominierten Strukturen suchen. Sollte der Antrag genehmigt werden, könnte dies die geopolitische Dynamik im Nahen Osten weiter verändern und Palästina stärken. Bislang bleibt die Teilnahme als Gast eine vorübergehende Lösung, während der Block seine Erweiterungsstrategie fortsetzt.
