Wie Luxemburg die nächste Generation zum Thema Nachhaltigkeit erzieht
Luxemburg setzt seit Jahren auf eine umfassende Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Von der Grundschule bis zur Universität, von staatlichen Strategien bis zu Bürgerinitiativen – das Land vernetzt Akteure, modernisiert Lehrpläne und schafft praxisnahe Projekte, um junge Menschen zu verantwortungsvollen Gestaltern der Zukunft auszubilden.
Nationale Strategien: Der Rahmen für nachhaltige Bildung
Luxemburgs Bildungssystem baut auf klaren politischen Vorgaben auf. Die Nationale Strategie für Bildung für nachhaltige Entwicklung (2012, aktualisiert 2019) definiert Schlüsselkompetenzen wie kritisches Denken, Systemverständnis und globales Verantwortungsbewusstsein. Ergänzt wird sie durch:
- Den Nationalen Plan für nachhaltige Entwicklung
- Die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (SDGs)
- Kooperationsverträge mit NGOs und Bildungsinstitutionen
Initiativen im Überblick
| Bereich | Initiative | Zielgruppe |
| Schulbildung | Integration von BNE in Lehrpläne (laufende Reform bis 2027) | Primar- und Sekundarschulen |
| Berufsbildung | Neue Ausbildungsgänge wie „Smart buildings and energies“ | Berufsschüler |
| Hochschulen | Masterstudiengang „Sustainable Development“ | Studierende |
| Bürgergesellschaft | „SustainLux“-Plattform zur Vernetzung von Projekten | Allgemeinheit |
Schulische Initiativen: Frühes Lernen durch Handeln
In Luxemburgs Schulen steht Praxis im Mittelpunkt. Das zeigt die Klima-Bündnis-Kampagne „Op Kannerféiss duerch d’Welt“:
- 4.389 Kinder aus 30 Gemeinden sammelten 2023 über 31.515 „Grüne Meilen“ durch nachhaltige Alltagsaktionen.
- Methoden: Energie sparen, zu Fuß zur Schule gehen, Mülltrennung.
- Ergebnis: Die gesammelten Meilen wurden auf der UN-Klimakonferenz 2023 präsentiert.
Beispielprojekte in Schulen
- Lycée Technique d’Ettelbruck: Vernetzung von Nachhaltigkeitsprojekten in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Soziales.
- Grundschulen: Experimente zu erneuerbaren Energien, Schulgärten, Partnerschaften mit Naturschutzverbänden.
Berufsbildung: Grüne Jobs für die Zukunft
Luxemburgs Berufsschulen reagieren auf den Arbeitsmarkt der Zukunft:
- Neue Ausbildungsgänge:
- „Smart buildings and energies“ (Techniker für nachhaltiges Bauen)
- „Smart technologies“ (Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft)
- Zusatzqualifikationen:
- Zertifikat „Sicherer Umgang mit Gefahrstoffen“
- Kurse zu Abfallmanagement und Energieeffizienz
Zahlen zur Berufsbildung
| Jahr | Teilnehmer an Umweltkursen | Neue grüne Ausbildungsplätze |
| 2023 | 1.200 | 89 |
Hochschulbildung: Forschung trifft Praxis
Die Universität Luxemburg treibt Nachhaltigkeit auf drei Ebenen voran:
- Lehre:
- Pflichtmodul „Nachhaltigkeit“ im Bachelor Erziehungswissenschaften
- Zertifikat „Sustainable Development and Social Innovation“
- Forschung:
- Projekte zu nachhaltiger Stadtentwicklung und Kreislaufwirtschaft
- Transfer:
- SustainLux: Online-Plattform zur Bündelung von 230+ Projekten
Außerschulische Projekte: Engagement für alle Altersgruppen
Organisationen wie PADEM bieten Workshops für Kinder und Erwachsene an:
- Themen: Menschenrechte, Zero Waste, globale Wasserkrise
- Methoden: Rollenspiele, Experimente, Diskussionen mit Experten
Erfolgsbilanz 2024
- 120 Workshops in Schulen
- 45 Unternehmensschulungen
- 8.000+ erreichte Personen
Herausforderungen und Ziele
Trotz Fortschritten bestehen Lücken:
- Fehlende einheitliche Standards in der Primarschulbildung
- Ungleiche Ressourcenverteilung zwischen städtischen und ländlichen Schulen
- Ziel bis 2027:
- Verbindliche Integration von BNE in alle Sekundarschul-Lehrpläne
- Ausbau der Lehrerfortbildungen durch das „Institut für Lehrerausbildung“ (IFEN)
Fazit: Vom Kleinstaat zur Vorreiternation
Luxemburg zeigt, wie Bildungssysteme Nachhaltigkeit ganzheitlich verankern können. Durch die Kombination aus politischen Rahmenbedingungen, praxisnahen Schulprojekten und zivilgesellschaftlichem Engagement entsteht eine Generation, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen systemisch denkt – und mutig handelt.
