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12 grüne Finanzierungs- und ESG-Deals, die Österreich im Jahr 2026 prägen

Österreich positioniert sich 2026 als führender Standort für nachhaltige Finanzierung in Europa. Die 12 Green Finance & ESG Deals Shaping Austria in 2026 zeigen, wie das Land sein ehrgeiziges Klimaneutralitätsziel bis 2040 mit konkreten Investitionen untermauert.

Von Multi-Millionen-Euro-Anleihen bis zu wegweisenden Wasserstoffprojekten mobilisiert die österreichische Finanzwirtschaft Kapital für die grüne Transformation. Diese Deals vereinen institutionelle Investoren, Banken, Energiekonzerne und staatliche Förderprogramme in einer koordinierten Nachhaltigkeitsstrategie.​

Warum Green Finance für Österreich entscheidend ist

Österreich strebt Klimaneutralität bis 2040 an und benötigt dafür massive Investitionen in Energiewende und Wirtschaftstransformation. Der Finanzsektor spielt dabei eine Schlüsselrolle, indem er private Kapitalströme in nachhaltige Projekte lenkt. Die Europäische Union verschärft gleichzeitig die Regulierung durch erweiterte CO₂-Bepreisung und industrielle Dekarbonisierungsvorschriften. 90 Prozent der österreichischen Unternehmen investierten 2025 in grüne und digitale Transformation, wobei 33 Prozent die Netto-Null-Transition als kommerziellen Vorteil betrachten.​

12 Green Finance & ESG Deals Shaping Austria in 2026

1. OMV Grünes Wasserstoffwerk: EUR 123 Millionen Förderung

OMV erhält staatliche Produktionsförderung von bis zu EUR 123 Millionen für Österreichs größtes grünes Wasserstoffprojekt. Die 140-MW-Elektrolyseanlage in Bruck an der Leitha produziert ab Ende 2027 jährlich bis zu 23.000 Tonnen grünen Wasserstoff aus Wind-, Solar- und Wasserkraft. Eine 22 Kilometer lange Pipeline transportiert den Wasserstoff direkt zur OMV-Raffinerie Schwechat und spart bis zu 150.000 Tonnen CO₂-Emissionen jährlich ein. Die Europäische Wasserstoffbank bewertete das Projekt positiv, und OMV investiert insgesamt einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.​

Merkmal Details
Fördervolumen EUR 123 Millionen
Elektrolyse-Kapazität 140 MW
Jahresproduktion bis 23.000 Tonnen H₂
CO₂-Einsparung bis 150.000 Tonnen/Jahr
Betriebsstart Ende 2027

2. Vienna Insurance Group Tier 2 Nachhaltigkeitsanleihe: EUR 300 Millionen

Die Vienna Insurance Group platzierte im März 2025 erfolgreich eine nachrangige Tier-2-Nachhaltigkeitsanleihe über EUR 300 Millionen bei institutionellen Investoren. Die Anleihe mit Fälligkeit 2045 trägt zunächst einen festen Zinssatz von 4,625 Prozent jährlich und wechselt ab April 2035 zu einem variablen Zinssatz. VIG verwendet den Nettoerlös für eine Kombination aus grünen und sozialen Vermögenswerten gemäß dem aktualisierten Sustainability Bond Framework 2025. Der Emissionspreis wurde auf 99,694 Prozent des Nennbetrags festgelegt, mit vorzeitiger Rückzahlungsoption ab 2035.​

Merkmal Details
Volumen EUR 300 Millionen
Laufzeit bis 2045 (30 Jahre)
Anfangszins 4,625% p.a.
Emissionspreis 99,694%
Verwendungszweck Grüne & soziale Assets

3. Erste Group & EIB Windenergie-Garantierahmen: EUR 200 Millionen

Die Erste Group unterzeichnete im Dezember 2025 als erste österreichische Bank einen EUR 200 Millionen Garantierahmenvertrag mit der Europäischen Investitionsbank für Windenergieprojekte. Diese Vereinbarung ist Teil eines EU-weiten 8-Milliarden-Euro-Garantieprogramms zur Stärkung europäischer Windturbinenhersteller. Die EIB unterstützt bis zu 50 Prozent der von Erste Group ausgestellten Bankgarantien und erschließt dadurch mehrere hundert Millionen Euro für die grüne Transformation. Erste Group finanzierte 2024 bereits Projekte der erneuerbaren Energiewirtschaft mit über EUR 900 Millionen.​

Merkmal Details
Garantievolumen EUR 200 Millionen
EIB-Rückversicherung bis 50%
Geografischer Fokus EU-weit
Sektor Windenergie
Erste Finanzierungen 2024 EUR 900+ Millionen

4. UBM Development Green Bonds im ESG-Segment Wien

UBM Development ist im ESG-Segment der Wiener Börse mit mehreren nachhaltigen Anleihen vertreten. Das Portfolio umfasst eine Sustainability-Linked Bond 2021-2026 über EUR 150 Millionen, eine Hybrid Bond 2021 über EUR 100 Millionen, eine Green Bond 2023-2027 über EUR 50 Millionen und eine Green Bond 2024-2029 über EUR 93 Millionen. Alle Instrumente basieren auf UBMs Green Finance Framework und finanzieren nachhaltige Immobilienprojekte. Die Wiener Börse etablierte das separate ESG-Segment für Emittenten nachhaltiger Wertpapiere mit erhöhter Transparenz.​

Anleihe Volumen Laufzeit
Sustainability-Linked Bond EUR 150 Mio. 2021-2026
Hybrid Bond EUR 100 Mio. ab 2021
Green Bond EUR 50 Mio. 2023-2027
Green Bond EUR 93 Mio. 2024-2029

5. Republik Österreich Green Bonds und Investor Relations

Die Republik Österreich verfügt über ein starkes Portfolio grüner Vermögenswerte, das ihre ESG-Strategie widerspiegelt. Green Financing Instruments der österreichischen Bundesfinanzierungsagentur werden ausschließlich für Staatsausgaben verwendet, die zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und Klimaschutzzielen beitragen. Österreich etablierte sich seit der ersten staatlichen Green Bond-Emission als wichtiger Akteur im europäischen Green Bond-Markt. Die Instrumente finanzieren Projekte in erneuerbaren Energien, nachhaltiger Mobilität und Energieeffizienz.​

Merkmal Details
Emittent Republik Österreich
Verwendungszweck THG-Reduktion & Klimaschutz
Assetklassen Erneuerbare, Mobilität, Effizienz
Marktsegment Europäischer Green Bond-Markt

6. VERBUND Grüne Finanzierungsrahmen und Anleihen

VERBUND positioniert sich als Marktführer im Bereich Green Finance mit einem umfassenden Green Financing Framework. Das Unternehmen emittierte 2018 den weltweit ersten ESG-gebundenen Konsortialkredits und 2014 die erste Green Bond Österreichs. VERBUND allokiert Erlöse an förderfähige grüne Projekte, bei denen Investitionen maximal drei Jahre vor Emissionsdatum erfolgten. Die Strategie 2030 fokussiert auf Ausbau der Stromerzeugung aus Wind und Solar sowie nachhaltige Netzexpansion. VERBUND entwickelt mehrere lokale Wasserstoffprojekte, darunter Green Ammonia Linz mit 60 MW Leistung.​

Merkmal Details
Position Marktführer Green Finance
Erste Green Bond AT 2014
Erster ESG-Kredit 2018
Strategiefokus Wind, Solar, Netzausbau
H₂-Projekte Mehrere in Entwicklung

7. Austrian Green Finance Alliance für Klimaziele

Die Austrian Green Finance Alliance ist eine Initiative des Bundesministeriums für Klimaschutz, die Finanzunternehmen bei der klimafreundlichen Ausrichtung ihrer Geschäftsmodelle unterstützt. Die Allianz umfasst Banken, Versicherungen, Pensionskassen und andere Finanzinstitutionen, die sich verpflichtet haben, ihre Finanzflüsse an den Zielen des Pariser Klimaabkommens auszurichten. Österreichische Banken müssen nicht nur betriebliche CO₂-Emissionen managen, sondern auch ihre Kreditportfolios (Scope-3-Emissionen) klimakonform gestalten. Die meisten österreichischen Banken haben sich bisher jedoch noch nicht offiziell zu dieser Initiative bekannt.​

Merkmal Details
Initiator BMK Klimaschutzministerium
Mitglieder Banken, Versicherungen, Pensionskassen
Zielsetzung Paris-Klimaziele-Konformität
Scope-Abdeckung 1, 2 und 3 Emissionen

8. Bank Austria ESG-Finanzierungslösungen und Partnerships

Bank Austria wurde als “Best Bank for ESG” in Österreich ausgezeichnet und bietet umfassende ESG-Dienstleistungen sowie maßgeschneiderte Finanzierungslösungen. Das Portfolio reicht von Krediten über Kapitalmarktlösungen bis zu Förderprogrammen und Investitionen. Bank Austria unterzeichnete im August 2022 als erste Bank Österreichs ein Climate Action Facility Loan über EUR 92 Millionen mit der EIB, um Kunden bei Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu unterstützen. Die EIF-UniCredit-Garantievereinbarung über EUR 340 Millionen fördert KMUs und mittelgroße Unternehmen, die in Nachhaltigkeit, Innovation und Digitalisierung investieren.​

Initiative Volumen Partner
Climate Action Loan EUR 92 Mio. EIB
Invest EU Garantie EUR 340 Mio. EIF
Green Mortgage Bonds EUR 750 Mio. UniCredit Framework
Sektor Erneuerbare & Effizienz diverse

9. Erste Group Grüne Investitionsziele 2026

Erste Group hat als Mitglied der Net-Zero Banking Alliance ambitionierte Gruppenziele formuliert. Bis 2050 soll das Finanzierungsportfolio vollständig netto-null erreichen, und bis 2026 sollen mindestens 25 Prozent des Neugeschäfts mit Firmenkunden als “Green Investment” qualifizieren. Green Investments gehen über reine Umweltkriterien hinaus und signalisieren, dass die Wirtschaftstätigkeit signifikant zur ESG-Taxonomie beiträgt. Diese Ziele positionieren Erste Group als führende Bank für nachhaltige Unternehmensfinanzierung in Zentral- und Osteuropa.​

Ziel Zeitrahmen Metrik
Net Zero Portfolio bis 2050 100%
Green Investment Anteil bis 2026 25% Neugeschäft
Geografischer Fokus CEE-Region Zentral-/Osteuropa
Allianz NZBA Net-Zero Banking

10. InvestEU Nachhaltigkeitsgarantie mit UniCredit Bank Austria

Die EIF und UniCredit Bank Austria AG schlossen eine Garantieobergrenze über ein Gesamtvolumen von EUR 340 Millionen ab. KMUs und mittelgroße Unternehmen, die in die strategischen Megathemen Nachhaltigkeit, Innovation und Digitalisierung investieren, profitieren von außergewöhnlich günstigen Konditionen. Das InvestEU-Programm der Europäischen Union mobilisiert private Investitionen für nachhaltige Infrastruktur und grüne Technologien. Bank Austria nutzt diese Garantie, um Finanzierungslücken bei transformativen Unternehmensinvestitionen zu schließen.​

Merkmal Details
Garantievolumen EUR 340 Millionen
Zielgruppe KMUs & Mid-Caps
Fokusthemen Nachhaltigkeit, Innovation, Digital
Programm InvestEU EU-Initiative
Vorteil Günstige Konditionen

11. Österreichische Unternehmen investieren in Grüne Transformation

90 Prozent der österreichischen Firmen investierten 2025 in grüne und digitale Projekte und übertrafen damit den EU-Durchschnitt. Der Kapitalfluss verschiebt sich zunehmend in Richtung Ersatz und Modernisierung bestehender Anlagen, während wirtschaftliche Unsicherheiten zunehmen. 33 Prozent der Unternehmen betrachten die Netto-Null-Transition als kommerziellen Vorteil und verweisen auf die Expansion der Greentech-Fertigung, den Ausbau sauberer Energie und grüne Produkte. Diese Perspektive entspricht dem zunehmenden Druck durch EU-Politikmaßnahmen, die industrielle Dekarbonisierungsregeln verschärfen und die CO₂-Bepreisung ausweiten.​

Metrik Wert Vergleich
Investitionsquote 2025 90% über EU-Schnitt
Netto-Null als Vorteil 33% der Firmen
Investitionsfokus Ersatz & Upgrade statt Neuanlagen
Treiber EU-Regulierung CO₂-Preis, Regeln

12. Renewable Energy Projektfinanzierungen und Windparks

Bank Austria finanzierte die Erweiterung eines der größten Windparks Österreichs in Gols am Neusiedler See in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank. Der Windpark erreicht eine Leistung von 143 Megawatt und versorgt rund 90.000 Haushalte mit erneuerbarem Strom. Bank Austria spielte zudem eine Schlüsselrolle bei der Finanzierung von Northvolt, Europas größter Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos, die mit einer 50-prozentigen Recyclingquote die umweltfreundlichste Batterie weltweit produziert. Diese Projektfinanzierungen demonstrieren die Expertise österreichischer Banken bei grenzüberschreitenden Infrastrukturprojekten der Energiewende.​

Projekt Leistung/Kapazität Impact
Windpark Gols 143 MW 90.000 Haushalte
Northvolt Batterien Größte EU-Fabrik 50% Recycling
Partner EIB Kofinanzierung
Sektor Erneuerbare Energie Wind & Elektromobilität

Regulatorische Rahmenbedingungen und Ausblick

Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) erhöhen den Druck auf Banken, ESG-Risiken systematisch zu erfassen und transparent zu managen. Österreich strebt Klimaneutralität bis 2040 an, was schnelle Transformationen der Energie- und Wirtschaftssysteme erfordert. Der Finanzdienstleistungssektor leistet dabei einen wesentlichen Beitrag zur Mobilisierung privater Investitionen für die klimaneutrale Wirtschaft. Die EU-Strategie für nachhaltige Finanzen zielt darauf ab, private Investitionen für den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu mobilisieren, und der Europäische Green Deal ist die Roadmap für dieses Ziel.​

Herausforderungen und Chancen für den Finanzsektor

Die Integration von ESG-Kriterien ist keine Frage des guten Willens mehr, sondern eine wesentliche Voraussetzung für die Erfüllung verschärfter regulatorischer Anforderungen und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Österreichs Banken stehen an einem entscheidenden Wendepunkt und zeigen in vielen Bereichen noch erheblichen Handlungsbedarf, insbesondere bei der systematischen Erfassung und Steuerung von Nachhaltigkeitsrisiken. Gleichzeitig entstehen neue Wachstumschancen durch den ESG-Boom, da Unternehmen zunehmend nachhaltige Finanzierungslösungen nachfragen. Für 2026 wird ein Rekordjahr bei der Emission grüner Anleihen prognostiziert, nachdem starke Volumina im September und Oktober 2025 die Emissionen um 9 Prozent steigerten.​

Fazit

Die 12 Green Finance & ESG Deals Shaping Austria in 2026 zeigen, wie Österreich seine Klimaziele mit konkreten Finanzierungsinstrumenten untermauert. Von Multi-Millionen-Investitionen in Wasserstofftechnologie über nachhaltige Anleihen bis zu Garantieprogrammen für erneuerbare Energien mobilisiert der österreichische Finanzmarkt erhebliche Kapitalströme für die grüne Transformation. Die Kombination aus staatlicher Förderung, institutionellen Investitionen und privatwirtschaftlichem Engagement positioniert Österreich als führenden Standort für nachhaltige Finanzen in Europa. Diese Entwicklung wird 2026 weiter an Dynamik gewinnen, da regulatorische Anforderungen steigen und Investoren zunehmend ESG-Kriterien in ihre Entscheidungen integrieren.