5 belgische Beiträge zu ESA-Missionen, die Sie noch nicht kannten
Belgien mag klein sein, aber im Weltraum ist es ein Riese. Mit rund 300 Millionen Euro jährlicher Investitionen in die ESA ist Belgien der fünftgrößte Beitragszahler der europäischen Raumfahrtagentur. Doch neben Geld fließt vor allem belgisches Know-how in bahnbrechende Projekte. Hier sind fünf wenig bekannte, aber entscheidende Beiträge:
1. PROBA-Satelliten: Belgische Technologie im All
Die PROBA-Serie (Project for On-Board Autonomy) ist ein Paradebeispiel belgischer Weltraumtechnik. Diese Kleinsatelliten werden federführend von Belgien entwickelt und kontrolliert:
| Mission | Startjahr | Belgische Innovation |
| PROBA-1 | 2001 | Erstes autonomes Satellitensystem Europas |
| PROBA-2 | 2009 | Sonnenforschung mit SWAP-Instrument |
| PROBA-V | 2013 | Globale Vegetationsüberwachung |
| PROBA-3 | 2025 | Präzisionsformation im Weltraum (Test) |
Besonders bemerkenswert: PROBA-V kartiert alle zwei Tage die globale Vegetation – entscheidend für Klimaforschung und Landwirtschaft.
2. Instrumentenbau für wissenschaftliche Missionen
Belgische Forscher entwickeln Schlüsselkomponenten für ESA-Wissenschaftssatelliten:
- SOLAR ORBITER: Das Belgische Institut für Weltraum-Aeronomie (BIRA) lieferte Sensoren für das Energetic Particle Detector Instrument. Diese messen solare Teilchenstürme, die Satelliten und Stromnetze gefährden.
- GAIA: Die Lidar-Technologie von der Universität Lüttich ermöglichte präzise Sternenkartierung. GAIA erstellte die bisher detaillierteste 3D-Karte unserer Galaxie.
- JUICE (Jupiter-Mission): Belgische Ingenieure entwickelten Strahlungshärtung für Elektronik, die im extremen Jupitermagnetfeld überleben kann.
3. Erdbeobachtung: Vom Weltraum in die Praxis
Belgien treibt die operativen Anwendungen von Satellitendaten voran:
- VEGETATION-Programm: Belgien initiierte das erste europäische System zur globalen Vegetationsüberwachung. Die Daten werden heute für Ernteprognosen und Dürrefrühwarnungen genutzt.
- Flutmonitoring: Das Flemish Institute for Technological Research (VITO) verarbeitet Copernicus-Satellitendaten in Echtzeit. Bei Überschwemmungen 2021 lieferte dies Rettungskräften präzise Karten.
- Urban Heat Islands: Brüsseler Forscher nutzen Sentinel-3-Daten, um Hitzeinseln in Städten zu kartieren – Grundlage für klimaangepasste Stadtplanung.
4. Belgische Astronauten: Botschafter im All
Drei Belgier prägten Europas bemannte Raumfahrt:
| Name | Mission | Beitrag |
| Dirk Frimout | STS-45 (1992) | Erster Belgier im All; Atmosphärenforschung |
| Frank De Winne | ISS (2009) | Erster europäischer ISS-Kommandant |
| Raphaël Liégeois | ISS (2026) | Gehirnforschung in Schwerelosigkeit (geplant) |
Liégeois wird 2026 als erster Wallone ins All fliegen. Sein Schwerpunkt: Wie verändert Schwerelosigkeit die Hirnfunktion?
5. Zukunftstechnologien: Belgien denkt voraus
- Space Cybersecurity: Das ESEC in Redu (Belgien) ist Europas Hauptzentrum für Satellitensicherheit. Es schützt ESA-Satelliten vor Hackerangriffen.
- Deorbit-Technologie: Die Firma SABCA entwickelt Schleppsegel, die ausgediente Satelliten entsorgen – entscheidend gegen Weltraummüll.
- Mars-Probenrückführung: Belgische Robotertechnik wird im Sample Fetch Rover eingesetzt, der erstmals Marsgestein zur Erde bringen soll.
Warum Belgien überproportional wichtigt ist
Mit nur 0,2% der Weltbevölkerung stellt Belgien 4,7% der ESA-Wissenschaftler und ist an über 80% aller ESA-Missionen beteiligt.
Dieser Erfolg basiert auf drei Säulen:
- Konzentration auf Nischen: Statt großer Satelliten baut Belgien präzise Instrumente.
- Forschungskooperation: Universitäten (Löwen, Lüttich) und Unternehmen (OIP, Sonaca) teilen Know-how.
- Politische Kontinuität: Seit 1962 ist Belgien ESA-Mitglied – länger als Deutschland oder Frankreich.
Belgiens unsichtbare Beiträge machen europäische Raumfahrt erst möglich. Wenn 2026 Liégeois zur ISS fliegt, steht nicht nur ein Mann im All – sondern eine Nation, die seit 60 Jahren Raumfahrtgeschichte schreibt.
