Luft- und Raumfahrt

5 belgische Beiträge zur Überwachung und Sicherheit von Weltraummüll

Belgien spielt eine überraschend wichtige Rolle im Kampf gegen Weltraummüll. Das kleine Land bringt innovative Technologien, rechtliche Rahmenbedingungen und internationale Kooperationen voran. Diese Initiativen helfen, Satelliten zu schützen und die Nachhaltigkeit des Weltraums zu sichern.

1. PROBA-Satelliten: Technologieträger für Erdbeobachtung und Forschung

Belgien hat mit der PROBA-Serie (Project for On-Board Autonomy) Pionierarbeit geleistet. Diese Kleinsatelliten dienen als Testplattformen für neue Technologien im Orbit:

Satellit Startjahr Hauptmission Besonderheit
PROBA-1 2001 Erdbeobachtung Längste ESA-Erdbeobachtungsmission
PROBA-2 2009 Sonnenforschung Überwacht Weltraumwetter
PROBA-V 2013 Vegetationsmonitoring Kartiert globale Pflanzenbedeckung
PROBA-3 2024 (geplant) Künstliche Sonnenfinsternis Formation Flying im Abstand von 150 m

Die Missionen validieren nicht nur neue Instrumente, sondern sammeln auch Daten über die Raumumgebung. PROBA-3 wird erstmals präzises Formation Flying demonstrieren – eine Schlüsseltechnik zur Vermeidung von Kollisionen.

2. Arcsec: Sternensensoren als Weltraummüll-Detektoren

Das belgische Unternehmen Arcsec (Leuven) nutzt Sternensensoren neuartig:

  • Prinzip: Optische Sensoren, eigentlich für die Satellitenausrichtung gedacht, erkennen helle Objekte, die keine Sterne sind. Algorithmen berechnen deren Flugbahn.
  • Innovation: Erfasst Trümmerteile ab 3 cm Größe – eine bisher unerreichte Präzision.
  • Netzwerk-Effekt: 50+ installierte Sensoren bilden ein globales Überwachungsnetz. Updates erfolgen remote.

Vorteile gegenüber herkömmlichen Systemen:

Kriterium Traditionelle Systeme Arcsec-Technologie
Detektionsgröße >10 cm Ab 3 cm
Wetterabhängigkeit Hoch (Bodenstationen) Keine (Weltraumbasiert)
Kosten Hohe Infrastruktur Nutzt bestehende Hardware

Diese Lösung wird 2024 auf einem Demonstrationssatelliten getestet.

3. Rechtliche Regulierung: Das belgische Raumfahrtgesetz

Seit 2005 regelt das Gesetz über Raumfahrtaktivitäten (zuletzt 2013 aktualisiert) auch Weltraummüll:

  • §4 Abs. 3: Betreiber müssen Risiken für Menschen, Eigentum und Umwelt minimieren.
  • §8: Bei Fehlfunktionen von Satelliten muss das Nationale Krisenzentrum internationale Stellen informieren.
  • Dynamische Anpassung: Das Gesetz verpflichtet Betreiber, künftige internationale Müllvermeidungsstandards umzusetzen (z.B. ESA-Leitlinien oder ISO-Normen).

Praktisch bedeutet das: Jedes neue Satellitenprojekt muss von Anfang an Weltraummüll-Risiken analysieren und Gegenmaßnahmen einplanen.

4. Aldoria Belgium: Europäische Allianz für Weltraumüberwachung

Die französische Firma Aldoria eröffnete 2025 eine belgische Tochter, um Europas Space Situational Awareness (SSA) zu stärken:

  • Autonome Bodenstationen: Robuste Systeme, die selbst unter Extrembedingungen Trümmerteile und Satelliten verfolgen.
  • Fragmentierungserkennung: Sofortige Identifikation von Explosionen oder Kollisionen im Orbit.
  • Lokale Vernetzung: Kooperation mit Universitäten (z.B. KU Leuven) und dem Centre for Space Security des Verteidigungsministeriums.

Belgien ist hierfür ein strategischer Standort: Es ist der fünftgrößte Beitragszahler der ESA (350 Mio. €/Jahr) und hat operationelle Abhängigkeiten von Satellitendiensten.

5. EU Space Programme: Belgien im europäischen SST-Netzwerk

Belgien wirkt im EU Space Surveillance and Tracking (SST)-Programm mit:

  • Ziele:
    • Kollisionswarnungen für Satellitenbetreiber
    • Wiedereintrittsprognosen für Trümmerteile
    • Analyse von Fragmentierungsereignissen.
  • Belgischer Beitrag: Obwohl das Land bisher über wenige eigene SST-Kapazitäten verfügt, bringt es Expertise über BELSPO (Belgische Wissenschaftspolitik) in EU-Gremien ein.

Langfristige EU-Strategie: Bis 2027 soll ein europaweites Sensornetz entstehen, das Daten nationaler Observatorien (wie Zimmerwald/Schweiz) kombiniert.

Warum Weltraummüll gefährlich ist

“Die Kollision von Iridium 33 und Kosmos 2251 im Jahr 2009 erzeugte über 2.000 Trümmerteile. Sie bedrohen seither andere Satelliten.” – Astronomisches Institut der Universität Bern.

  • Kaskadeneffekt: Kollisionen erzeugen neuen Müll, der weitere Kollisionen verursacht (Kessler-Syndrom).
  • Wirtschaftliche Folgen: Ausfall von Navigations-, Wetter- oder Kommunikationssatelliten.
  • Aktuelle Lage: Über 34.000 trackbare Objekte >10 cm umkreisen die Erde – plus Millionen kleinerer Teile.

Fazit: Belgien als unerwarteter Schlüsselakteur

Obwohl klein, treibt Belgien entscheidende Lösungen voran:

  • Technologisch durch PROBA-Satelliten und Arcsec-Sensoren,
  • Rechtlich mit einem Raumfahrtgesetz, das Müllvermeidung vorschreibt,
  • Politisch durch Mitgestaltung der EU-SST-Strategie.

Diese Maßnahmen machen den Orbit sicherer und schützen milliardenschwere Infrastruktur. Die nächsten Schritte: PROBA-3 startet 2024, und Arcsecs Sensornetzwerk wächst weiter.