Erneuerbare Energie

18 Projekte für grüne Energie: Solar-, Wind- und Speicherprojekte in Liechtenstein im Jahr 2026

Liechtenstein steht an der Schwelle einer grünen Revolution. Das Fürstentum hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2050 soll das Land klimaneutral sein. Ein entscheidender Meilenstein auf diesem Weg ist das Jahr 2026. Es markiert den Startschuss und die Umsetzung zahlreicher Initiativen, die in der Energiestrategie 2030 verankert sind. Von hochmodernen Solaranlagen auf Industriedächern bis hin zu innovativen Speicherlösungen treiben Regierung, Gemeinden und die Liechtensteinischen Kraftwerke (LKW) den Wandel voran.

In diesem Artikel stellen wir Ihnen 18 konkrete Projekte und Initiativen vor, die 2026 das Bild der Energieversorgung in Liechtenstein prägen werden. Wir werfen einen Blick auf Photovoltaik, die heisse Debatte um Windkraft und smarte Technologien, die unser Stromnetz fit für die Zukunft machen.

Der Kontext: Liechtensteins Energiestrategie 2030

Bevor wir in die einzelnen Projekte eintauchen, lohnt sich ein Blick auf das große Ganze. Liechtenstein importiert heute noch einen grossen Teil seiner Energie. Das soll sich ändern. Die Regierung fokussiert sich auf Eigenversorgung und erneuerbare Quellen.

Das Ziel für die kommenden Jahre ist klar definiert:

  • Reduktion des Energiebedarfs um 20 % (Basis 2008).
  • Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien auf 30 %.
  • Reduktion der CO2-Emissionen um 40 %.

Um dies zu erreichen, sind massive Investitionen notwendig. Das Jahr 2026 ist dabei ein Schlüsseljahr für die Umsetzung.

Solaroffensive: Die Kraft der Sonne nutzen

Die Photovoltaik (PV) ist das Rückgrat der liechtensteinischen Energiewende. Da Wasserkraftpotenziale weitgehend ausgeschöpft sind, liegt der Fokus fast vollständig auf der Sonne. Hier sind die wichtigsten Solar-Projekte für 2026.

1. PV-Pflicht für Nicht-Wohnbauten

Ab 2026 greifen verschärfte Bauvorschriften. Neubauten, die nicht dem Wohnen dienen (Gewerbe, Industrie, Verwaltung), müssen zwingend mit Photovoltaikanlagen ausgestattet werden. Dies ist kein Pilotprojekt mehr, sondern gesetzliche Realität, die 2026 breite Wirkung zeigt.

2. Die “Hilti” Solar-Erweiterung (Schaan)

Grosse Industrieunternehmen gehen voran. Ein Leuchtturmprojekt ist die massive Erweiterung der Dachflächen-PV auf den Werksgeländen in Schaan. Unternehmen wie Hilti nutzen ihre riesigen Flachdächer, um Megawatt-Leistungen ins Netz einzuspeisen.

3. Kommunale Solarinitiative Vaduz

Die Hauptstadt Vaduz startet 2026 eine neue Phase ihrer Solarinitiative. Öffentliche Gebäude, darunter Schulen und Verwaltungsbauten, werden systematisch saniert und mit Hochleistungsmodulen belegt. Ziel ist es, den kommunalen Strombedarf zunehmend selbst zu decken.

4. Agri-Photovoltaik Pilotprojekt im Unterland

Ein spannendes Novum für Liechtenstein: 2026 soll ein Pilotprojekt für “Agri-PV” an den Start gehen. Dabei werden Solarmodule so hoch über Ackerflächen montiert, dass darunter weiterhin Landwirtschaft (z.B. Gemüseanbau) möglich ist. Dies löst den Konflikt zwischen Energieerzeugung und Landnutzung.

5. Genossenschaftliches Solarprojekt Triesen

Nicht jeder Hausbesitzer hat ein geeignetes Dach. In Triesen formiert sich 2026 ein neues Bürgermodell. Eine Solargenossenschaft ermöglicht es Bürgern, sich finanziell an einer grossen Gemeinschaftsanlage zu beteiligen und so direkt von der Energiewende zu profitieren.

6. Solar-Carports für E-Mobilität

Parkplätze sind versiegelte Flächen, die bisher energetisch ungenutzt blieben. 2026 werden an mehreren strategischen Knotenpunkten (z.B. bei Sportanlagen oder grossen Arbeitgebern) Solar-Carports errichtet. Sie spenden Schatten und laden gleichzeitig die darunter parkenden E-Autos.

7. Fassaden-Photovoltaik an Landesgebäuden

Da Dächer begrenzt sind, geht das Land neue Wege. 2026 werden erste Pilot-Fassaden an Regierungsgebäuden mit ästhetisch integrierten Solarmodulen ausgestattet. Diese liefern besonders im Winter, wenn die Sonne tief steht, wertvollen Strom.

Überblick Solar-Projekte:

Projekt-Typ Standort Hauptnutzen
Industrie-PV Schaan/Balzers Hohe Eigenversorgung der Industrie
Agri-PV Unterland Doppelnutzung von Agrarland
Solar-Carports Landesweit Ladeinfrastruktur & Wetterschutz
Bürger-PV Triesen Teilhabe für Mieter & Bürger

Windkraft: Chancen und Kontroversen

Windkraft ist in Liechtenstein ein sensibles Thema. Während das technische Potenzial vorhanden ist, gibt es Widerstand in der Bevölkerung und Bedenken bezüglich des Landschaftsschutzes. Dennoch gibt es für 2026 wichtige Bewegungen.

8. Grenzüberschreitende Windbeteiligung (Alpe Rauz)

Da Windräder im Rheintal schwer durchsetzbar sind, investieren die LKW in Projekte im benachbarten Ausland. Ein Fokusprojekt für 2026 ist die Beteiligung an Windparks in Vorarlberg (z.B. Projektideen rund um Alpe Rauz), deren Strom rechnerisch oder physisch Liechtenstein zugutekommt.

9. Windmessungen und Standortanalysen (Haldenstein/Balzers)

Auch wenn noch kein Bagger rollt: 2026 laufen entscheidende Messkampagnen. Die Regierung und die LKW prüfen weiterhin Standorte auf ihre Windhöffigkeit, speziell in windreichen Korridoren bei Balzers, um faktenbasierte Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können.

Speichertechnologien & Netzstabilität

Speichertechnologien & Netzstabilität

Die Sonne scheint nicht immer. Daher ist die Speicherung von Energie das grosse Thema für 2026.

10. Grossbatteriespeicher Schaan

Um die Netzstabilität zu gewährleisten, planen die LKW die Inbetriebnahme oder Erweiterung von Grossbatteriespeichern im Umspannwerk Schaan. Diese “Riesen-Akkus” fangen Spitzen aus der Mittags-PV-Produktion auf und geben sie abends wieder ab.

11. Wasserstoff-Forschungsprojekt

Liechtenstein beteiligt sich 2026 an Forschungskooperationen zur Nutzung von grünem Wasserstoff. Ziel ist es, überschüssigen Sommerstrom langfristig speicherbar zu machen. Erste kleine Pilotanlagen zur Elektrolyse werden in Zusammenarbeit mit regionalen Hochschulen geprüft.

12. Smart-Grid-Rollout

Der Ausbau intelligenter Stromzähler (Smart Meter) geht 2026 in die finale Phase. Das “Smart Grid” ist ein unsichtbares, aber riesiges Projekt. Es ermöglicht den LKW, das Netz effizient zu steuern und Verbraucher flexibel auf das Stromangebot reagieren zu lassen.

13. Bidirektionales Laden (V2G) Pilot

Zusammen mit Carsharing-Anbietern startet 2026 ein Testlauf für “Vehicle-to-Grid” (V2G). Dabei dienen die Batterien von Elektroautos als temporärer Speicher für das Stromnetz, wenn die Fahrzeuge nicht bewegt werden.

Wärme, Biomasse & Effizienz

Strom ist nur die halbe Miete. Auch beim Heizen muss Liechtenstein weg von Öl und Gas.

14. Biogasanlage und Kompostierung

Die Optimierung der Verwertung von Grünabfällen steht 2026 im Fokus. Projekte in der Region (wie in Triesen oder Buchs) zur Gewinnung von Biogas aus organischen Abfällen werden ausgebaut, um grüne Wärme und Strom zu erzeugen.

15. Ausbau Fernwärme (KVA Buchs)

Ein Dauerprojekt, das 2026 massiv erweitert wird: Die Fernwärmeleitung von der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Buchs. Neue Quartiere in Schaan und Vaduz werden 2026 an das Fernwärmenetz angeschlossen, was hunderte Ölheizungen überflüssig macht.

16. Geothermie-Hybrid-Systeme

Für 2026 ist die Förderung von hybriden Heizsystemen geplant, die Erdwärmepumpen mit PV-Anlagen koppeln. Diese Systeme sind hocheffizient und machen Hausbesitzer fast autark.

17. Sanierungsoffensive Landeseigene Bauten

Der Staat geht mit gutem Beispiel voran. Ein Grossprojekt für 2026 ist die energetische Totalsanierung weiterer Landesliegenschaften (Schulen, Verwaltungsbauten) auf Minergie-Standard, um den Energieverbrauch drastisch zu senken.

18. Blockchain Energy Sharing

Ein innovatives digitales Projekt: 2026 sollen erste “Energy Communities” getestet werden, die über Blockchain-Technologie ihren selbst produzierten Solarstrom direkt an den Nachbarn verkaufen können, ohne den Umweg über den zentralen Energieversorger.

Herausforderungen und Chancen

Die Liste der 18 Projekte zeigt: Liechtenstein meint es ernst. Doch der Weg ist nicht ohne Hürden.

  • Fachkräftemangel: Für die Installation all dieser Solaranlagen und Wärmepumpen fehlen 2026 qualifizierte Handwerker.
  • Netzbelastung: Je mehr dezentrale Solaranlagen ans Netz gehen, desto schwieriger wird die Steuerung der Spannung. Hier sind die Speicherprojekte (Punkt 10) essenziell.
  • Akzeptanz: Windkraft bleibt ein “Heisses Eisen”. Die Projekte 8 und 9 sind daher politisch besonders brisant.

Dennoch überwiegen die Chancen. Liechtenstein kann sich durch diese Projekte unabhängiger von schwankenden Weltmarktpreisen für Energie machen und die Wertschöpfung im eigenen Land halten.

Schlusswort

Das Jahr 2026 wird für Liechtenstein ein Jahr der Weichenstellung. Die 18 vorgestellten Projekte sind mehr als nur technische Installationen; sie sind Symbole für einen gesellschaftlichen Wandel. Vom grossen Industriedach in Schaan bis zur kleinen Bürgerbeteiligung in Triesen – die Energiewende findet auf allen Ebenen statt.

Wenn diese Projekte erfolgreich umgesetzt werden, kommt Liechtenstein seiner Energievision 2050 einen gewaltigen Schritt näher. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies nicht nur sauberere Luft und Klimaschutz, sondern langfristig auch eine sicherere und unabhängigere Energieversorgung. Es bleibt spannend zu beobachten, wie schnell die Bagger rollen und die Panels montiert werden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Warum setzt Liechtenstein so stark auf Photovoltaik?

Liechtenstein hat kein grosses Potenzial für neue Wasserkraftwerke und Windkraft ist geografisch und politisch schwierig. Solarenergie ist daher die effizienteste und akzeptierteste Quelle, um die Eigenversorgung schnell zu steigern.

2. Was passiert mit den Windkraft-Plänen in Balzers?

Aktuell liegt der Fokus auf genauen Windmessungen und der Prüfung der Umweltverträglichkeit. Konkrete Bauprojekte sind aufgrund von Einsprachen und politischen Prozessen oft langwierig, weshalb auch Investitionen im Ausland (Vorarlberg) geprüft werden.

3. Lohnt sich eine Solaranlage für Privathaushalte 2026 noch?

Ja, absolut. Trotz schwankender Einspeisetarife machen die hohen Strompreise und attraktive Förderungen die Eigenproduktion sehr rentabel. Zudem erhöht eine Anlage den Wert der Immobilie.

4. Was ist Agri-Photovoltaik?

Bei der Agri-PV werden Solarmodule auf Stelzen über Äckern installiert. So kann unten der Traktor fahren und Gemüse wachsen, während oben Strom produziert wird. Dies verhindert den Verlust wertvoller landwirtschaftlicher Fläche.

5. Wie kann ich mich an den Projekten beteiligen?

Neben der Installation einer eigenen Anlage können Bürger oft Anteile an Solargenossenschaften (wie in Triesen geplant) erwerben oder “Bürgerstrom”-Produkte bei den Liechtensteinischen Kraftwerken (LKW) beziehen.