6 führende Weltraumverbände und -netzwerke in Belgien
Belgien ist ein unerwarteter Schwergewicht in der europäischen Raumfahrt. Mit strategischen Investitionen und innovativen Unternehmen treibt das Land Satellitentechnik und Weltraumforschung voran. Sechs Schlüsselorganisationen prägen diese dynamische Landschaft. Sie verbinden Industrie, Wissenschaft und Politik – und machen Belgien zum globalen Player.
1. BELSPO (Belgian Science Policy Office)
Bundesweite Steuerung der Raumfahrtaktivitäten
BELSPO koordiniert als zentrale Bundesbehörde Belgiens Raumfahrtstrategie. Es verwaltet jährlich rund 300 Millionen Euro für Weltraumprogramme – die höchste Pro-Kopf-Investition Europas.
| Kernaufgaben | Beispiele |
| Vertretung in der ESA | Belgien ist 5.-größter ESA-Geber |
| Nationale Erdbeobachtung | PROBA-Satellitenreihe |
| Astronautenauswahl | Raphaël Liégeois (3. belgischer ESA-Astronaut) |
Die Behörde sichert durch kluge Investitionen einen Return-on-Investment: Für jeden Euro ESA-Beitrag fließt ein Euro zurück an belgische Unternehmen.
2. Belgospace
Dachverband der Raumfahrtindustrie
Belgospace vereint über 60 Unternehmen unter dem Dach von Agoria. Der Verband schafft Synergien zwischen Start-ups und Global Playern wie Thales Alenia Space oder Aerospacelab.
- Schlüsselrolle: Vertretung industrieller Interessen auf EU-Ebene
- Beschäftigung: Über 2.000 Hochqualifizierte in der Branche
- Innovationsmotor: Förderung von Projekten wie PROBA-3 (Koronagraphie-Mission 2025)
3. BAG (Brussels Aerospace & Defence Group)
Brüssels Raumfahrt-Cluster
Im Hauptstadtregion konzentriert die BAG Kompetenzen für Luft- und Raumfahrt.
Sie fördert insbesondere KMUs durch:
- Forschungsnetzwerke: Verbindung zu Universitäten wie VUB/ULB
- Technologietransfer: Unterstützung bei ESA-Zertifizierungen
- Infrastruktur: Zugang zu Testanlagen für Satellitenkomponenten
4. VRI (Flemish Space Industry)
Flanderns Innovationsökosystem
Der flämische Cluster treibt kommerzielle Raumfahrt voran. Schwerpunkte liegen auf:
| Bereich | Leuchtturmprojekte |
| New Space | Kleinsatelliten (z.B. ISAAC-Erdbeobachtung) |
| Weltraumdienste | Antwerp Space (Satellitenkommunikation) |
| Ausbildung | KU Leuven Master in Space Studies |
Über 40 Unternehmen generieren hier 1,4 Mrd. Euro Jahresumsatz.
5. Wallonie Espace
Wallonische Raumfahrt-Allianz
Mit 44 Mitgliedsunternehmen ist dies der größte regionale Verband.
Sein Erfolgsrezept:
- Tradition: ESA-Zentrum ESEC in Redu (seit 1968)
- Wirtschaftsfaktor: 5.500 Direktarbeitsplätze
- Zukunftstechnologien: Beteiligung am Galileo-Navigationssystem
Das European Space Security and Education Center (ESEC) bildet hier Europas Satelliten-Sicherheitsexperten aus.
6. Skywin
Wallonischer Luft- und Raumfahrt-Cluster
Skywin treibt als regionaler Motor Hightech-Innovationen voran.
Der Cluster:
- Vernetzt Unternehmen wie Spacebel (Software) und Amos (Optik)
- Fördert Start-ups durch Inkubatoren wie Spacelab in Charleroi
- Stärkt Wertschöpfungsketten – von Elektronik (Deltatec) bis zu Raketentriebwerken (Safran Aero Boosters)
Warum diese Vernetzung funktioniert
Belgiens Raumfahrt setzt auf “L’union fait la force” (Einigkeit macht stark):
- Mehrebenen-Kooperation: Föderale (BELSPO), regionale (VRI/Wallonie Espace) und industrielle Ebene (Belgospace) arbeiten verzahnt.
- Internationale Verankerung: Luxemburg-Kooperation für Space Mining, Partnerschaften mit Frankreich (Erdbeobachtung) und Russland.
- Bildungsoffensive: ESA Academy in Redu bildet europäische Ingenieure aus.
Mit dieser Strategie sichert sich Belgien als “kleinster der Großen” in der ESA langfristig Spitzentechnologien – von Mini-Satelliten bis zu Weltraumressourcen.
