RaumLuft- und Raumfahrt

4 Höhepunkte der belgisch-indischen Weltraumzusammenarbeit durch BINA

Die belgisch-indische Kooperation in der Astronomie, verkörpert durch das Belgo-Indian Network for Astronomy and Astrophysics (BINA), zählt zu den erfolgreichsten wissenschaftlichen Partnerschaften Asiens mit Europa. Seit der Gründung 2014 durch Dr. Santosh Joshi (ARIES, Indien) und Dr. Peter De Cat (Königliche Sternwarte Belgien) hat BINA bahnbrechende Projekte vorangetrieben. Hier sind die vier entscheidenden Meilensteine:

1. Devasthal Optical Telescope (DOT): Indiens leistungsfähigstes optisches Teleskop

Das 3,6-Meter-DOT in Devasthal (Uttarakhand, Indien) wurde von der belgischen Firma AMOS konstruiert und 2016 in Betrieb genommen. Es ermöglicht hochpräzise Beobachtungen transienter Himmelsphänomene:

  • Gamma-Ray Bursts (GRBs): Das DOT detektierte seltene Ereignisse wie GRB 211211A (aus einer Binärverschmelzung) und GRB 210204A (mit stärkster je beobachteter optischer Nachleuchtkraft)7.
  • Technische Innovation: Zeitnahe „Target-of-Opportunity“-Beobachtungen für exoplanetare Studien und Supernova-Überwachung.

Wissenschaftliche Erfolge des DOT

Phänomen Entdeckung Bedeutung
GRB 211211A Entstanden aus Binärstern-Verschmelzung Widerlegt bisherige Modelle zu GRB-Ursachen
GRB 210204A Stärkste optische Nachleuchtkraft Neue Einblicke in Energieausstoßmechanismen
GRB 230409B Erste Nahinfrarot-Detektion mit indischem Teleskop Technologischer Meilenstein

2. International Liquid Mirror Telescope (ILMT): Revolutionäre Technologie

Das 4-Meter-ILMT, 2023 eingeweiht, nutzt einen rotierenden Quecksilberspiegel und ist das erste flüssigspiegelbasierte Survey-Teleskop der Welt:

  • Funktionsprinzip: Durch Erdrotation scannt es einen 22 Bogenminuten breiten Himmelsstreifen bei konstanter Deklination (+29°21’40”). Pro Nacht werden 40 Quadratgrad erfasst.
  • Leistungsdaten: Erreicht eine Grenzgröße von 22 mag (i’-Filter) bei 102 Sekunden Belichtung.
  • Wissenschaftlicher Fokus: Automatisierte Detektion von Supernovae, Asteroiden und Dunkler Materie.

Technische Spezifikationen des ILMT

Parameter Wert Anwendung
Spiegeldurchmesser 4 Meter Hochenergetische Phänomene
Beobachtungsmodus Time-Delay-Integration (TDI) Künstliche Nachführung ohne mechanisches Tracking
Detektionsbereich 4000–11000 Å (g’, r’, i’) Mehrfarbige Himmelsdurchmusterung
Effizienz 93% Minimale Datenlücken durch hohe Betriebsbereitschaft

3. Wissenschaftlicher Austausch und Nachwuchsförderung

BINA treibt nicht nur Technologie, sondern auch wissenschaftliche Vernetzung voran:

  • Workshops: Dritte Konferenz 2023 in Bhimtal mit 330 Teilnehmern aus 12 Ländern, darunter Astronomen aus Belgien, Indien, Kanada und Südafrika.
  • Bildungsinitiativen: Über 14 populärwissenschaftliche Vorträge an Schulen und Universitäten in Uttarakhand (2023), um junge Talente zu gewinnen.
  • Forschungsförderung: Gegenseitige Forschungsaufenthalte durch DST (Indien) und BELSPO (Belgien).

4. Zukunftsprojekte: National Large Solar Telescope (NLST)

Die Kooperation expandiert mit dem geplanten NLST in Ladakh:

  • Technologische Rolle: Belgische Institutionen wie das Liège Space Center (CSL) entwickeln optische Instrumente.
  • Strategische Bedeutung: Das Teleskop wird Sonnenmagnetfelder mit bisher unerreichter Präzision analysieren und die Zusammenarbeit im Bereich Weltraumwetter vorantreiben.
  • Politische Unterstützung: Bei einem Besuch von Prinzessin Astrid von Belgien in Indien (März 2025) wurde die Fortführung der Partnerschaft bekräftigt.

Zusammenfassung und Ausblick

Die BINA-Kollaboration zeigt, wie internationale Partnerschaften die Astronomie transformieren:

  • Technologische Meilensteine: DOT und ILMT etablieren Indien als führende Astronomienation.
  • Wissenschaftliche Exzellenz: 50+ Publikationen zu GRBs, exoplanetaren Systemen und Sternentwicklung.
  • Nachhaltigkeit: Nachwuchsprogramme und geplante Projekte wie NLST sichern die langfristige Zusammenarbeit.

Prinzessin Astrid von Belgien resümierte 2025: „Diese Partnerschaft beweist, dass Wissenschaft ohne Grenzen die größten Rätsel des Universums lösen kann.“ Mit der Vertiefung der Kooperation in Solarforschung und optischer Instrumentierung bleibt BINA ein Modell für globale Wissenschaftskooperation.